Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 13 (1937-1938)
- Issue
- Heft 1 (April 1937)
- Article
- Kabbala-Forschung und jüdische Geschichtsschreibung in der Universität Jerusalem
- Date
- 1937-04-01
- Page
- 31 (sequence 6)
- Language
- German
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Kabbala-Forschung und jüdische Geschichtsschreibung — ... mit der Rettung kabbalistischen Gutes in der chassidischen Bewegung und mit seiner Verwandlung in allgemeines Volksgut? Für die Beantwortung aller dieser Fragen soll die wissenschaftliche Arbeit der Universität Jerusalem den Boden vorbereiten und die geeigneten Mitarbeiter heranbilden. Aus der Arbeit an diesen Problemen wird die Geschichte der Kabbala entstehen, die die Einheit dieser oft dramatischen Entwicklungen und Verwicklungen in ihrer historischen Bewegung und Dialektik aufzuzeigen hat. Sie wird und kann in engster Fühlung mit den benachbarten Disziplinen der jüdischen Philosophie und der jüdischen Geschichte arbeiten, so den Studenten dieser Fächer ein neues Verständnis auch der dort behandelten besonderen Fragestellungen eröffnen. Die Vorbedingungen für die Erfüllung solcher Aufgaben sind zur Zeit in der Tat wohl nur in Jerusalem gegeben. Hier allein berührt sich die neue Fragestellung mit den alten, noch lebendigen Resten der Kabbala. Hier allein sind wohl auch die Sammlungen von Quellenmaterial beisammen, ohne die jede Arbeit auf diesem Gebiet zur Unfruchtbarkeit verurteilt wäre. Jerusalem besitzt in drei bis vier öffentlichen und privaten Sammlungen nahezu vollständig die gedruckte, weit verstreute und großenteils unbekannte Literatur der jüdischen Mystik; es ist auch dafür Sorge getragen worden, durch zielbewußte Auswahltätigkeit im Laufe vieler Jahre die ungedruckte Literatur der alten Kabbala, die für die Forschung von besonderer Bedeutung ist, in Handschriften und Photographien in großer Fülle zusammenzubringen. Sind doch verhältnismäßig nur sehr wenige Texte der Kabbala aus der Zeit vor der Vertreibung aus Spanien zum Druck gelangt, so daß eine Geschichte ihrer Entwicklung aufgrund dieses Materials allein ganz unzulänglich, ja unmöglich wäre. Die große und bis zu dieser Generation wohl von keinem Gelehrten studierte handschriftliche Literatur der alten Kabbala ist dabei noch bemerkenswert vollständig erhalten, und, soviel auch uns und vielleicht selbst den künftigen Forschern daran unverständlich und verschlossen bleiben wird, ist doch die Hoffnung nicht ganz grundlos, aus diesem ungeheuren geistigen Trümmerfeld den ursprünglichen Bau und seine Gestalt-Veränderungen wiederherstellen zu können. Das Märzheft enthielt u. a.: Zeilnotizen | Martin Buber, Sprüche Salomos | Werner Cahnmann, Ost \ind West | Ludwig Landau, Die Prophetie als aeistesgeschichiliche Bewegung / Perez Hirschbein, Bebele / Helene Poriizky, Hand und Kult. Im MaÜLefi schreiben u. a.: Arthur Prinz, Jüdische Wanderungspolitik heute und morgen / Susi Michael, Umgang mit sich selbst I Leo Hirsch, Von den ersten Operetten. 31