Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 13 (1937-1938)
- Issue
- Heft 1 (April 1937)
- Article
- Gottesdienstgestaltung in Erez Israel
- Date
- 1937-04-01
- Page
- 26 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2895450-2895566-2895568-2907074--09680-2907125- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Gerhard Scholem dem Opfer, wie es war, als die Propheten gegen seine Brauch- Stellung ankämpften. Nun könnte bei dieser so ausgesponnenen Kontroverse jemand denken, wir seien in der Grundeinstellung voneinander getrennt, „wie der Ost entfernt ist vom West". Aber ich diskutiere mit Ihnen so ausgiebig, weil ich Ihr Werk kenne und weiß, wie wichtig und grundlegend es ist, weil ich mit Ihnen eins bin in dem Wunsch, das Leben in seiner Ganzheit in Erez Israel vom Religiösen zu gestalten und Religion und Leben, gegenseitig aufeinander einwirkend, in ihrem Fluß zu begreifen; weil ich mit Ihnen weiß, daß nicht das Synagogale das einzig Wichtige ist, sondern daß das ganze jüdische Leben wichtig ist, und weil ich weiß, daß Sie das Große in Angriff genommen haben, d i e neue Gemeinde zu schaffen, die es drüben bislang noch nicht gab. Und darum sind meine Ausstellungen die eines Liebenden, der mit Ihnen sich in der Verantwortung fühlt und Ihr Verantwortungsbewußtsein noch zu schärfen sich zur Aufgabe setzt. Ihr Max Dienemann. Gerhard Scholem: Kabbala-Forschung und jüdische Geschichtsschreibung in der Universität Jerusalem Man darf vielleicht die Aufgabe, die sich für die Wissenschaft vom Judentum an der Universität Jerusalem erhebt, dahin präzisieren, daß sie ein neues Bild der jüdischen Geschichte zu entwerfen hat, wie es sich aus den Bestrebungen ergibt, jüdische Geschichte aus positiven Perspektiven zu sehen. Aus positiven Perspektiven, — also nicht mehr, wie in den Blütezeiten der „Wissenschaft vom Judentum" in der Mitte des vorigen Jahrhunderts und im Grunde ununterbrochen bis zu unserer Generation, von apologetischen und emanzipatorischen Rücksichten beeinflußt, sondern aus den eigenen Kräften und Bewegungen, die die jüdische Geschichte von innen her bestimmt haben. Eine solche Neuorientierung der jüdischen Geschichtsschreibung betrifft nicht nur die im engeren Sinne historischen Vorgänge, sondern ebenso die damit zusammenhängenden geistesgeschichtlichen Entwicklungen in der Geschichte des jüdischen Denkens und Glaubens, in unserer Philosophie und Religionsgeschichte. Auch hier stehen wir noch weithin unter dem Einfluß wissenschaftlicher Wertungen, die aus ganz anderen Überlegungen und Zusammenhängen heraus sich gebildet haben. Solche Wertungen können aber für eine Generation keine Be- 26