Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 13 (1937-1938)
- Issue
- Heft 1 (April 1937)
- Article
- Gottesdienstgestaltung in Erez Israel
- Date
- 1937-04-01
- Page
- 25 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Gottesdienstgestaltung in Erez Israel wir wissen, in Wahrheit nie ein Gegensatz waren und an einem Zweig wuchsen —, war eines der großen Argumente der Zionisten gegen allen Liberalismus, in der Galut brauche man das Gesetz und den Brauch so, wie er geworden ist, als Schutzwehr, Änderung dürfe nur sein, wo die Galut aufgehoben sei: in Erez Israel. "Nun haben Sie das Glück, in Erez Israel neu aufbauen zu können, und siehe da, es bleibt alles beim alten, und Sie schleppen sogar die Dinge mit, mit denen man, selbst bei der traditionellsten Haltung, im alten Lande längst innerlich keine Fühlung mehr hatte. Sie machen es sich insofern leicht, als Sie auf Dinge Bezug nehmen, die ich nie genannt habe, wie beispielsweise die Auserwähltheit; und diese Dinge setzen Sie dann mit den von mir Beanstandeten auf eine Fläche. Gewiß ist manches, was den Überreformern nicht unmittelbar faßbar war, den Heutigen faßbar; aber gerade die Dinge, die ich meine, das Tieropfer, um dessen Wiederherstellung Sie Ihre Gemeinde beten lassen, ist und bleibt auch heute nicht mehr faßbar. Sie sprechen von dem Stil des Gebetes, der eine Einheit sein müsse, aber Sie verwechseln Stil mit Sachinhalt. Dabei haben die Alten sogar die Sachinhalte geändert. Und wieviel Differenzen des Stils ertrug die Gemeinde Israel in ihren verschiedenen Ritusgruppen? Können Sie von einer so geschlossenen Einheit des Stils dabei reden? Sie sagen, ehe man den Stil ändert, sei es besser, ein Anderes zu schaffen. Ausgezeichnet! Eben das erwarte ich von Ihnen und Ihren Mitstreitern. Sie haben eine Chance, wie seit langem kein Geschlecht sie hatte. Sie können eine Lücke ausfüllen, um deren Schließung man sich erstaunlicherweise nicht müht. Es gibt kein Gebet in unserem Gottesdienst, das auf das Neue in Erez Israel Bezug nimmt und Segen dafür erfleht. Schaffen Sie — Sie beherrschen ja die Sprache — als die traditionelle siebente Beracha am Schabbat und Feiertag an Stelle der Opferbitte das Gebet, das von dem Neuen und der neuen Arbeit im Lande handelt! Das wäre ein richtiger Mussaf-Zusatz. Damit könnten Sie viele fortreißen und hineinreißen ins Gebet, damit könnten Sie dem Heutigen den Ausdruck geben, der ihm noch fehlt, und schöpferisch auf die Galut einwirken. Jetzt aber abschließend: was'ist im tiefsten unsere Differenz? Sie nehmen Gebet als Brauch und Sitte, nennen wir es beim rechten Namen: als einen Teil des Nationalen. Mir steht es höher; ich will von seinem nationalen Inhalt und seinen Bezogenheiten nichts missen, aber in seiner Ganzheit ist es mir mehr als das: Beziehung zu Gott, Zwiesprache mit Ihm. Indem Sie es als Brauch und Sitte nehmen — und alle Ihre Argumentation geht davon aus —, stellen Sie es, entschuldigen Sie, auf eine Stufe mit 25