Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 13 (1937-1938)
- Issue
- Heft 1 (April 1937)
- Article
- Gottesdienstgestaltung in Erez Israel
- Date
- 1937-04-01
- Page
- 24 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Gottesdienstgestaltung in Erez Israel durch alle Jahrhunderte hindurch Israel ergriff und das, wie gesagt, stets in unserem Gebet zum Ausdruck kommt. Es ist die ewige Forderung an Israel, die auch im Gebet anklingt; aber Sie beziehen in jene „unsichtbare Gemeinde" alles ein, was jemals Sehnsucht der Betenden war. Hier eben stößt Ihre Bezugnahme auf die „unsichtbare Gemeinde" mit dem Gesetz der Wahrhaftigkeit zusammen. Daß einmal etwas zum Bezirk der jüdischen Frömmigkeit gehörte, ist kein Grund, es in seinem Wortlaut festzuhalten, wenn wir uns nichts mehr dabei denken und es sogar ablehnen. Wenn Sie meinen, man solle es, weil es da war, festhalten, und der JEinzelne könne es sich ja nach seinem Sinn deuten, dann, entschuldigen Sie, dann führen Sie den Individualismus durch die Hintertür herein, nachdem Sie ihn durch die Vordertür hinausgejagt haben. Wenn wir alles festhalten wollten, was jemals in dem offiziellen Gebet stand, was müßte da nicht alles drin sein! Überhaupt das überlieferte Gebet! Braucht man Ihnen erst zu sagen, daß das, was Sie heut als überliefertes Gebet so festhalten, gerade das ist, was die Verleger unserer Gebetbücher aus dem überlieferten Stoff im Anfang des vorigen Jahrhunderts festzuhalten beliebten? Im gewissen Sinne ist Ihre „unsichtbare Gemeinde" sehr jung, und deutlich von einer früheren „unsichtbaren Gemeinde" geschieden. Das Entscheidende aber scheint mir zu sein, daß Sie, indem Sie Gebet im ganzen als irrationales Gefühl und so als Symbol nehmen, übersehen, daß es Wort ist. Und eben das unterscheidet das Wort vom Symbol, daß man im Symbol über alle Grenzen von Zeit und Ort sich erheben, jeglicher Deutung Raum geben kann, daß aber das Wort Ausdruck eines bestimmten Gedankens ist, mein Wort, Ausdruck meines Gedankens, und daß darum nicht gesagt werden darf, was ich nicht denke. Sonst ist entweder das Gebet zum Symbol gewandelt — ich würde sagen degradiert — oder es wird gegen die innere Wahrhaftigkeit verstoßen. Sie gehen von Ihrer Beobachtung aus, daß manche, wenn sie einen Gottesdienst besuchen wollen, den Wunsch nach dem traditionellen haben, wobei ich ganz unberücksichtigt lasse, daß diese irrtümlich das Gewordene für das immer Gewesene halten, daß Sie sich also vor "dem Irrtum des Amhaarez verbeugen. Ich gehe von meiner Beobachtung der Vielen aus, die den Willen zur absoluten Wahrhaftigkeit haben und — nicht einmal als nur Zuhörende — an etwas teilhaben wollen, das sie nicht innerlich bejahen. Geben Sie zu, daß Sie für diese, deren Wille zum Gottesdienst auch da ist, nicht sorgen und an ihnen vorbeigehen. Mit Ihrer „immanenten Logik" des Gefühls geben Sie jedem Mißbrauch ein Dauerrecht. Früher einmal, in den ersten Diskussionen in Europa um Zionismus und Liberalismus — die, wie 24