Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 13 (1937-1938)
- Issue
- Heft 1 (April 1937)
- Article
- Gottesdienstgestaltung in Erez Israel
- Date
- 1937-04-01
- Page
- 23 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Gottesdienstgestaltung in Erez Israel umändern, die nicht dem tatsächlichen Empfinden, auch nicht dem Ihrigen und dem Ihrer Beter, entsprechen, wie die Bitte um "Wiederherstellung der Opfer oder das Gebet für die — mindestens doch seit einem Jahrtausend nicht mehr bestehenden — Exilbehörden in Babylon; und meine Anregung war gegründet auf den Willen zur Wahrhaftigkeit — nicht zur Wahrheit, wie Sie irrtümlich schrieben — im Gebet. Darauf , erwiderten Sie mit den obigen Argumenten. "Was ist ihnen entgegenzustellen? Ich will das Wichtigste, weil es das Zusammenfassende ist, zuletzt sagen und die Einzelheiten vorwegnehmen. Es erscheint mir als nicht richtig, daß Sie das Gebet mit der Vorlesung aus der Tora in eine Ebene setzen und dann vergleichen. Tora ist bewußt Lehre und Unterweisung; eine Unterweisung kann man aufnehmen, auch wenn sie an einen Gegenstand anknüpft, der nicht mehr in praxi ist, eben weil Lehre deutbar ist, weil auf ihr die in stetem Fluß sich entwickelnde Regelung des täglichen Lebens beruht, weil sie das Element der ewigen Erneuerung der Lebensordnung ist Tora ist ratio, Gebet aber ist, wie Sie richtig bemerken, nicht ratio und deshalb der Deutung entrückt. Indem Sie die Analogie mit der Toravorlesung heranholen, setzen Sie zwei Dinge, die auf verschiedenen Ebenen sind, auf eine Ebene; ich werde mich hüten zu sagen, daß Sie damit an einem der Dinge eine Minderung vornehmen, aber Sie entkleiden es damit seines wirklichen Charakters. Sie nehmen Gebet als Ausdruck der „unsichtbaren Gemeinde" und damit als Entäußerung der Individualität. Keiner kann so gut wie ich nachfühlen, was für Schaden und Verlust uns der Individualismus-Kult der vergangenen Epoche gebracht hat; Sie wissen, daß ich einer der Vorkämpfer für seine Überwindung bin. Aber können Sie im Ernst daran denken, beim Gebet den individuellen Charakter des Betenden ganz auszuschalten? Es gibt kein Beten ohne das persönliche Gefühl des Betenden, nicht nur in dem Sinne, daß sein Gebet der volle Ausdruck seines persönlichen Empfindens und Wollens ist. In unserem Gemeindegebet ist dank der Weisheit der Alten dafür gesorgt, daß der Einzelne nicht in seinem Persönlichen versinke, da das Gebet immer wieder auf die Gesamtheit Israels, auf dessen Aufgabe, Nöte und Hoffnungen Bezug nimmt. Damit ist die Gefahr des Persönlichen ausgeschaltet, aber "nie darf das Persönliche seinerseits so ausgeschaltet sein, wie Sie das als geradezu wünschenswert annehmen. Sie führen die „unsichtbare Gemeinde" in die Diskussion und Erwägung ein. Verzeihen Sie, aber das schmeckt mir zu sehr nach der „unsichtbaren Kirche"; in der Kirche hat die „unsichtbare" ihren dogmatischen Ort. Sie operieren da mit einem Begriff, der nicht zum Bezirk des Jüdischen paßt. Was Sie unsichtbare Gemeinde nennen, ist jenes Gesamtschicksal, das 23