Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 13 (1937-1938)
- Issue
- Heft 1 (April 1937)
- Article
- Gottesdienstgestaltung in Erez Israel
- Date
- 1937-04-01
- Page
- 22 (sequence 4)
- Language
- German
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Gottesdienstgestaltung in Erez Israel Damit will ich nicht sagen, daß der Gemeindegottesdienst in allen seinen Einzelheiten unveränderlich sein müsse. Wir wissen, daß die Jahrhunderte viel Beiwerk angesetzt haben, das in den verschiedenen Riten verschieden ist und dessen Entfernung weder den Inhalt noch den Stil des Gottesdienstes verändert. Weiterhin setzt die Aufnahmefähigkeit der Gemeinde dem Gottesdienst bestimmte Grenzen. Aber das sind ja nun gerade nicht palästinensische Probleme, da die Gebetsordnung hier im ganzen kürzer und konzentrierter ist als in der Gola. Wenn ich der Meinung bin, daß wir nicht das Recht haben, dem Gottesdienst seinen traditionellen Charakter zu nehmen, auch da, wo dieser uns fremdartig anmutet, so gibt es doch einen bestimmten Weg, auch das Fremdartige dem Menschen unserer Zeit nahe zu bringen. Wie wir die Tora nicht verändern, wohl aber auslegen und erklären, im traditionellen Sinne oder von unserem heutigen Fühlen aus, so dürfen wir auch das Gebetwort erklären, auslegen und ausdeuten. Brauch, Sitte, Form sind Ausdruck der tiefsten seelischen Schichten geschichtlicher Gemeinschaften. Sie bewußt und mit Absicht zu ändern, bedeutet eine tief ergehende Korrektur des seelischen Lebens, als es dem ersten Blicke erscheint. Im Gottesdienst spricht sich die Seele der Gemeinschaft am vernehmbarsten aus. Deshalb ziemt uns im Verhältnis zu ihm ganz besondere Behutsamkeit. Soweit es im Rahmen eines Briefes möglich war, habe ich versucht, Ihnen unsere Motive klarzulegen. Ihr Max Elk. Offenbach, den 28. März 1937. Lieber Herr Kollege Elk, lassen Sie mich in meiner Antwort etwas vorausschicken, damit keine Mißverständnisse erstehen: es ist ganz selbstverständlich, daß das Werk, das Sie in so dankenswerter Weise drüben begonnen haben, in voller Freiheit von Ihnen und Ihren Mitkämpfern aufgebaut werden muß, und daß es niemand gelüstet, Ihnen einen andern Willen aufzuzwingen. Sie müssen in der Tat dem Neuen, das Sie anfangen, die Eigengesetzlichkeit von Erez Israel aufprägen, und die ist in vielem eine andere als die unseres religiösen Lebens. . Somit erhält das, was ich Ihnen zu erwidern habe, den Charakter einer Diskussion um Grundsätzliches, und dieser ihr Charakter wird noch unterstrichen, wenn Ihr Gegenredner der Meinung ist, daß unsere Differenz durch die Eigengesetzlichkeit palästinensischen religiösen Lebens gar nicht berührt wird, daß es sich hier um Dinge handelt, die mir hüben wie drüben gleich gelagert erscheinen. Was ist unsere Differenz? Ich hatte angeregt, daß Sie, wenn Sie einen Neuaufbau im Gebet vollführen, Gebete weglassen oder 22