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Der Morgen · 1937-04-01 · Heft 1 (April 1937) · p. 16

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Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 1 (April 1937)
Article
Die unruhigen Tage ...
Date
1937-04-01
Page
16 (sequence 5)
Language
German
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Mala haaser asiatischen Blut. Fühlen Sie, wie wir beide so klein vor den hohem Bergen stehen? Das ist unsre Brüderschaft, jetzt, für diese eine: Nacht. Plötzlich besitzen Sie nicht mehr als ich, und was ich verlor, was ich wiederfand, alles das ist ausgelöscht von der wunderbaren Größe der Berge. Niemals vordem gab es einen solchen Augenblick der Selbstvergessenheit, — daß die Zeit doch stille stände! Daß ich mich von dieser Überwältigung nicht lösen müßte, daß ich wüchse und genügsam bliebe wie der Berg in seiner steinernen Ruhe. Freund, wie bin ich es müde, ein Mensch, zu sein! Mensch sein, das heißt: ohne Ruhe sein. Wollte doch mein Blut nicht länger irren und verstummte doch für alle Zeit die Sehnsucht in mir vor der kühlen Freude eigener Nichtigkeit! Aber ach, auch die Unendlichkeit hat ihren Herzschlag, und die Größe hält der Sehnsucht nicht stand: die Wolken, Alter, die Wolken! Wie das hastet, wie das droben über die Kämme schleift, da, schon bricht das blaue Fleisch des Himmels durch den Nebel, leise wandert der Regen über das Städtchen im Tal, und die Sonne läßt schon Wolkenscharten auf dem Schnee des Watzmanns .hüpfen. Hören Sie die Salzach holpernd rauschen und singen? Alle Tiefen, alle Höhen sind bewegt, sind ohne Ruhe;, klagen wir darum nicht länger. Lassen wir uns nicht durch jener Berge Anschein betrügen, das Gestein ist heimlich ein lebendiger Strom, eine ausgewogene Kette von Atomen, deren Kern und kreisende Trabanten wir kennen — Wasser, Stein und Blut, überall der gleiche schöpfungsschwere Zusammenhang! Quäle ich Sie sehr? Nun, mit allem wollte ich nur sagen, wie wir letzthin durch das Leben selber miteinander Verwandte sind, aber sicher, Ihnen fehlt vielleicht der Blick durch die Dinge hindurch, wieviel, glücklicher sind Sie darum als ich: daß Sie Fremdheit spüren, wo der Anschein Sie befremdet. Dennoch bin ich reicher als Sie, denn die ganze Welt ist mein, selbst Verluste, hinter den. Grenzen des Schmerzes, stehen tiefverwurzelt in meinem ewigen Besitztum. Bin ich Ihnen fremd, nun gut, so meiden Sie mich. Ihre Abkehr weckt in mir ein reineres Bewußtsein, weit über Liebe, weit über Haß, das Bewußtsein meiner eigenen Art und die klärende Erkenntnis, daß wir Lebenden von gleichen Kräften, nicht vom gleichen Wesen sind. Prosit, Nachbar, zum Wohl, zum Wohle! Und nun kommen Sie, wir wollen zur Hohensalzburg hinauf und danach, zum Abschied, noch den falschen Mozartschädel begrüßen. — Nachbar, ich weiß so vieles, aber nichts ist schöner in diesen Tagen, als sich vor der Wahrheit blind zu machen. Ja, ich weiß zum Beispiel, daß Sie längst nicht mehr an meinem Tische sitzen! Meine wilden Reden habe ich ins Leere gesprochen, und Sie selber sind auch nur in meinen Traum hineingeträumt. Trotzdem, ich stelle mich blind, trinke Ihnen zu, nenne Sie nun gerade 16

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