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Der Morgen · 1937-04-01 · Heft 1 (April 1937) · p. 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 1 (April 1937)
Article
Die unruhigen Tage ...
Date
1937-04-01
Page
15 (sequence 4)
Language
German
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Die unruhigen Tage. Gassen Sie nicht packen und zu Tode schütteln. Schauen Sie auf, schauen Sie den Himmel an, wie er lichtblau ist und klar, wie ein Spiegelbogen über dem Frühling der hellen Welt. Lauschen Sie nur dem Winde nach, pfeift er uns nicht mit tänzelndem Atem einen Gruß von der Donau ins Ohr? Grinzing, alter Freund, ich sage Ihnen: Grinzing, — was ist denn jetzt noch Prag mit seiner beklemmenden Grausamkeit! Trinken wir doch, und freuen wir uns doch! Hungert Sie's? Ei, so greifen Sie zu, heut ists gut sein mit mir, Hahnerl oder Bratgans, was befehlen der Herr? Vorwärts, reißen Sie dem Vogel ein Bein vom Leibe, Reisen macht hungrig, und Wien macht Durst. Rebenbauer, steig' hinab in deinen Keller, hol' einen guten Jahrgang her — zwar die Donau ist nur halb so blau und nur halb so herrlich, wie es in euren Liedern heißt, aber die Luft in euren Parks, die Luft um eure; Schlösser und um eure hellen Straßen, diese Luft ist köstlicher und leichter als all euer Wein und eure wundersame Fröhlichkeit. Trinken Sie, Alter, trinken Sie Luft und Wein. Daß Sie aber nüchtern bleiben, hören Sie? Denn wir müssen noch den grauen Neptun in Schönbrunn besuchen, und den Stefansdom und den Großen Ring und im Prater die Allee entlang den Frühling belachen, weil er so lichtgrün über den Buchen flimmert. Vorsicht, Sie schwanken schon ein wenig, — dabei wollen wir doch noch ins Riesenrad hinauf und uns drehen und drehen und drehen, himmelauf und praterab, Lust und Lust und Jahrmarktsorgel! Gott im Himmel, wie soll ich dir danken, daß ich mich mit meinem schweren Blut so selig freuen darf! Ich, der Jude mit dem bitterschweren Herzen —. Es ist Mittag; in Maria Piain geht das Kapellenglöckchen. Geben Sie mir nur recht acht auf den Weg, man wird ganz benommen von dem lauwarmen Regen und dem Treibhausduft im Salzachtal. Seltsame, träumerische Mattigkeit nach dem Freudenrausch an der Donau! Sicher ist allein der Nebel daran schuld, der die Täler überbrodelt. Sehen Sie nur die violetten Ringelwürmer zwischen den Wegsteinen! Halt — Sie dürfen den Kopf noch nicht zurückwenden, werfen Sie zuerst auf kleine Dinge Ihren Blick, etwa auf die Kröte dort im Schlamm, auf das leuchtend-bunte Blumendurcheinander in den steigenden Gräben oder auf das hölzerne Bild des Gekreuzigten auf dem alten Pfahl überm Querpfad. Aber ach, Sie hören nicht auf mich. Meinetwegen also, hier, auf halbem Anstieg, drehen Sie sich fort von Maria Piain, so! Nur erschrecken Sie nicht, werden Sie nicht irre an den Maßen Gottes. Ah, Sie taumeln, Sie taumeln! Halten Sie sich fest an mir, oder halten Sie sich besser fest an den riesengrauen Alpensteilen, sie sind unverrückbar mächtig bis empor zu den Kämmen und Spitzen. Ja, nun sind wir endlich Freunde geworden, Sie mit Ihrem Nicht-begreifen und ich mit meinem IS

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