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Der Morgen · 1937-03-01 · Heft 12 (März 1937) · p. 541

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
12 (1936-1937)
Issue
Heft 12 (März 1937)
Article
Die Prophetie als geistesgeschichtliche Bewegung
Date
1937-03-01
Page
541 (sequence 5)
Language
German
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Die Prophetie als geistesgeschichtliche Bewegung „Heiligenverehrung" des einfachen Mannes auf den Höhen im Lande. * Beispiele mögen das Gesagte verdeutlichen. Einige Jahre vor dem Zusammenbruch des jüdischen Staates baute sich der vorletzte König Jojakim einen neuen Palast. Mangels ausreichender Mittel mußte die Bevölkerung unbezahlte Fronarbeit leisten. Aus diesem Anlaß veröffentlichte Jeremia folgende (unwesentlich gekürzte) Rede: nWeh dem, der sein Haus mit Unrecht baut, mit seinem Nächsten werkt umsonst und seinen Lohn ihm nicht gibt! Der spricht: ,Ein Riesenhaus erbau iah, mit räumigen Söllern, brech Fenster dran, bälk es mit Zedern'. Bist Du so König, daß Du in Zedern wetteiferst? Dein Vater, der aß und trank — er übte Recht und Gerechtigkeit, da war ihm wohl! Sachwalter war er den Armen und Bedürftigen, da ging es wohL Heißt nicht das mich kennen? ist des Ewigen Spruch. Doch Dir stehen Augen und Herz auf nichts als auf Deinen Gewinn und darauf, Druck und Erpressung zu üben. Darum spricht der Ewige so über den König von Jehuda: Man wird um ihn nicht klagen: ,Ach Bruder!* Man wird um ihn nicht klagen: ,Ach Herr!' Wie man einen Esel vergräbt, wird er verscharrt." Ein Mann der Aufklärung hätte von den Rechten der Staatsbürger und von der Eingliederung des Monarchen in die Privatrechtsordnung geschrieben. Jeremia stellt sich zwar auch in eine Opposition gegen das Staatsoberhaupt, die politischen Charakter trägt. Er protestiert aber nicht aus einer politischen oder sozialen Doktrin heraus, sondern, getrieben von religiös-sittlichem Zorn, setzt er an den Eingang seines Verdiktes die Worte: Darum spricht der Herr so über den König von Juda! Die Bibel erzählt l.Kg. 21 vom Justizmord des Königs Ahab an dem Weinbergbauern Nabot. Der politische Charakter des Eingreifens des Propheten Elia und seines Nachfolgers steht hier außer Zweifel. Gestützt auf die prophetische Partei hält sich Jehu zu revolutionärer Erhebung gegen das Königshaus für legitimiert (2. K. 9). Elia weiß sehr wohl, daß Gerechtigkeit die Grundlage der staatlichen Ordnung ist. Aber nicht dieses Wissen löst sein Handeln aus: Gott sendet ihn! (1. K. 21, 17ff.) Man vergegenwärtige sich etwa, wie der Historiker Macchiavell über solche — Belanglosigkeit berichtet hätte, er, der die Untaten der Sforza, Baglione, Borgia, Medici und sonstigen principi, condottieri und nobili zum Teil aus eigener Beobachtung miterlebt hatte, von dem Burckhardt sagt, seine politische Objektivität sei bisweilen „entsetzlich in ihrer Aufrichtigkeit". Wer kennt heute noch die Namen Sirven, Etalonde, Lally, für die einmal 541

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