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Der Morgen · 1937-02-01 · Heft 11 (Februar 1937) · p. 516

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
12 (1936-1937)
Issue
Heft 11 (Februar 1937)
Article
Pathos und Sympathie [Rezension]
Date
1937-02-01
Page
516 (sequence 3)
Language
German
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Leo Hirsch Der zweite Teil der Arbeit hat zum Gegenstand die prophetisch«? Eingebung, das Erlebnis und das Ereignis im Verhältnis zum Erlebnis. Nach dem glücklichen Anfang, der dem Leser das Tor öffnet, indem er, statt einer Geschichte der Prophetie-Erklärungen, deren Kritik gibt, stecken wir nun schon mitten in der Sache selbst. Und auch hier ist zunächst eine Abgrenzung der Aufgabe erforderlich: nicht das Warum der Prophetie ist zu erkunden, sondern ihre Struktur. Das Woher wird vorausgesetzt: „Jede Eingebung ist eine Rede Gottes, die für das Volk bestimmt ist." Was auch immer Gott dem Propheten eingibt, die Erfüllung oder Ablehnung seiner Äußerungen, Befehle und Gebote hat persönliche Wichtigkeit für Gott. Das Motiv der Eingebungsinhalle und somit der transzendente Sinn der Prophetie wird hier also, man merke sich die Wendung, als göttliches Pathos bestimmt. Als Fundament dieser Formulierung dient Heschel eine Fülle von Deskriptionen aus Arnos, Hosea, Jesaja und Jeremia; am klarsten nach Jeremia ist das göttliche Pathos erstens kein ursprünglicher, sondern ein von der Haltung des Volkes veranlaßter Zustand, zweitens keine wesenhafte Eigenschaft und geht drittens auf einen willensmäßigen Beschluß zurück. — Bei der Darstellung des Erlebnisgefühls muß wieder begrenzt werden: nicht die ohnehin nur hypothetisch zu rekonstruierende Vorgeschichte ist darzustellen, sondern nur der Erlebnisgegenstand des vollzogenen Aktes, sodann die Beziehung und das Verhalten des Propheten dazu, die beide nur durch die Bezugnahme auf Gott bestimmt werden, nicht durch Persönliches. Trotzdem ist die Person des Propheten nicht ausgeschaltet, sondern er erlebt Gottes Pathos, das Heschel das Grundmotiv der Prophetie nennt, fühlend, bewußt, durch seelische Nachahmung oder Einfühlung mit. So ergibt sich Heschels weitere entscheidende Formulierung: der prophetische Zustand ist eine Mitgenommenheit, ein Gleichgefühl, eine „Sympathie" mit dem göttlichen Pathos; „die Sympathie ist die prophetische Antwort auf die Eingebung, das menschliche Korrelat der göttlichen Offenbarung". Sie bezieht sich aber nur — daher mit Recht: Sym-Pathie — auf Gottes Pathos, nicht auf die Person. Und wieder führt Heschel eine Fülle von Deskriptionen zur Belegung des Begriffs und der These auf und führt sie bis an das scheinbar Absurde, Paradoxe. Tragische durch, ans Verhängnisvolle der absoluten Sympathie, bis sich erweist, daß das Pathos stärker ist als die Sympathie. Was die Struktur der Eingebung, der Offenbarung betrifft, so erkundet Heschel sie wesensmäßig^, von ihrem Aufgenommenwerden durch den Propheten aus — im Gegensatz zu den üblichen Definitoren, die psychologisch oder anthropologisch drauflos gehen. Die Form der Eingebung erscheint objektiv als „Ereignis" (subjektiv als Erlebnis), und nur seine Bedeutung für das göttliche Pathos und für dessen prophetischen Partner mit Hinblick auf seine unmittelbare Beeinflussung davon kommt in Betracht Das Ereignis wird als zweigliedrig, als „Wendung" und „Richtung" erfaßt, zumal es hier auch dialogisch ist; die Offenbarung im ersten Stadium ist nichts als Wendung, keine Urtatsache, kern Urwerden, sondern Ereignis, gewordenes Werden. „Weil Gott selbst nicht nur Offenbarung ist, weil er wesensmäßig der Unoffenbarte ist, stellt sich jede Offenbarung als Ereignis dar. Sie ist es, insofern eine Wendung zur Offenbarung vor sich geht. Diese Wendung ist das Entscheidende am Gesamlereignis der Offenbarung." Erst in der zweiten Phase reiht sich 516

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