Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 12 (1936-1937)
- Issue
- Heft 11 (Februar 1937)
- Article
- Bebele
- Date
- 1937-02-01
- Page
- 505 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Bebele Gütel: So Gott will, nach der Trauung... Mir scheint, sie kommt, sie soll mir nur gesund und stark sein. Bebele und Eidel treten ein. Liebe: Da ist sie, das dumme Mädel, das der Mutter soviel Kummer macht. Komm, deine Mutter gibt dir doch keinen Kuß, so gib wenigstens mir deine bösen Backen her. Sie küßt Bebele. Bebele (ist lieb, verzogen, sieht aus wie ein Kind von fünfzehn Jahren): Wir waren spazieren. Eidel: Ihr habt Angst gehabt? Wir waren doch nicht hinter der Stadt. Gütel: Gut habt ihrs gemacht, Kinderchen. Bist du hungrig, Bebele? Bebele: Wir haben doch bei Euch zu Hause gegessen, nicht wahr, Eidel? Eidel: Ich will die Wahrheit sagen. Sie hat bei uns nichts essen wollen. Sie hat gesagt, die Mutter fastet, drum will sie auch nichts essen. Gütel: Was redest du, Kind? Was hast du auf deine Mutter zu sehen? Bebele: Wenn die Mutler fastet, muß ich auch fasten. Liebe: Das ist ein Kind. .. Gütel macht sich am Herd zu schaffen: Sag mir schnell, Kind, was soll ich dir zum Essen machen? Bebele: Wenn du ißt, esse ich auch. Gütel: Laß gut sein, Kind. Wie lange habe ich denn noch zu fasten, kaum drei Monate. Bebele: Die Sonne ist doch schon untergegangen. Gütel: Ich warte noch, Kind, bis die Sterne am Himmel aufgehn. Jetzt zittert mir das Herz doch noch mehr als früher. Eidel: Euer Mann, Liebe, ist schon vom Beten nachhause gegangen. Liebe: Was du sagst! Und ich habe mich so verplaudert. Habt mir eine gute Nacht. Sie geht fort. Gütel: Geht gesunderheit, Liebeschi. Hier, Eidele, du mußt mein Esrog- Eingemachtes versuchen. Eidel: Nur auf die Zungenspitze gebt mir... Ach, wie das schmeckt! Gütel: Und jetzt nimm du dir, Bebele. Bebele: Wenn du nimmst, probiere ich auch. Gütel: Tu das nicht, Kind, nötige mich nicht. Bevor Sterne am Himmel sind, nehme ich keinen Bissen in den Mund. Bebele: Dann zünde ich die Lampe an, dann ist es Nacht. Eidel: Ei, bist du klug! Versuch von dem Eingemachten. Tus der Mutter zuliebe. Gütel, unter Tränen: Für nichts und wieder nichts quälst du die Mutter. Eidel: Ich sag' es deinem Bräutigam, daß du deiner Mutter nicht gehorchst. Bebele: Scholem-Meier weiß, daß ich der Mutter nicht folge. Sie reizt die Mutter, indem sie ihr die Wange hinhält. Na, gib mir einen Kuß, dann esse ich. Gütel stößt sie von sich: Geh, du quälst die Mutter. Frag nur Eidel, sie wird dir sagen, daß man bis zur Hochzeit der Mutter zu folgen hat. Sonst kann man noch, bewahre, bestraft werden. Bebele: Dafür werd ich dich wirklich gleich abküssen, daß du an mich zu denken hast. Sie wirft die Mutter mit Gewalt aufs Bett, 505