Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 12 (1936-1937)
- Issue
- Heft 11 (Februar 1937)
- Article
- Europa
- Date
- 1937-02-01
- Page
- 483 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Europa werden soll, kann hier den Bereich haben. Frömmigkeit wird hier das Entscheidende. Jeder echte Künstler, so will es oft scheinen, ist unterwegs zur Frömmigkeit, alle wahre Kunst, ob sie es weiß oder nicht, ist in ihrem Ziele religiöse Kunst; denn das, was als Unsichtbares, Unerforschliches hinter dem Sichtbaren erlebt wird, will zu dem Ersten und Letzten, dem Ewigen hinführen. Alles Urteil über Künstler und Kunst bestimmt sich daran, wie weit sie suchend oder erreichend auf diesem Wege sind. Es gibt auf ihm die Abschnitte, vor dem Letzten Vorheriges und Einstweiliges, vor dem Großen oder Größten ein Kleineres, das an sich, in seiner Art, ein Großes sein kann. Und im Kleinsten kann sich ein Großes und in dem, was groß zu sein meint, eine Geringheit bekunden. Die Kunst hat ihre Zeiten und ihre Gestalten. Wie das vom Schaffenden gilt, so von jedem Menschen, der ein Höheres, Umfassenderes erfährt und in dessen Wesen und Sein damit ein Bedeutsames, Künstlerisches eintritt. Auch auf diesem Wege kommt der eine zu Näherem, gelangt der andere zur Weite hin. Alles, worin wahres Heimatempfinden, Gruppenempfinden, Volksempfinden lebt, hat hier seine Richtung oder seine Erfüllung, sein Suchen oder sein Ziel. Epochen können an dem einen und dem anderen innerlich gekennzeichnet sein und ihre Geschichte darin besitzen. An einem Erlebnis zumal, einem, in dem Zeiten sich künstlerisch begreifen wollten, an dem europäischen kann es sich so aufzeigen, und wir Menschen unserer Tage, wir Juden besonders, hinter denen dieses Erlebnis als ein Vergangenes, fast wie unsere Vergangenheit zu liegen scheint, können manches Verstehen von da aus erlangen. Die Idee eines Europa ist eine verhältnismäßig junge. Die Gemeinschaft der europäischen Völker und Länder fand lange ihren bestimmten Ausdruck in dem Worte „Kirche", und dann, besonders seit der Reformation, in dem Worte „Christenheit". Kirche, Christenheit, das war es in der Tat, worin eine Gesamtheit und Einheit, die hinter allem stand, worin darum eine Bedeutsamkeit des Daseins erlebt wurde. Wo immer Menschen und Tagen des Mittelalters und der beginnenden Neuzeit ein Künstlerisches eignete, hatte es darin sein Gepräge. Eine große Geschichte, die Geschichte einer Völkereinheit, besaß daran ihr Symbolisches. Darum hatte die Idee der Kirche ihr Korrelat, ihre gegebene Beziehung in der Idee des Reiches, des Imperium, dem sie seine Bedeutsamkeit gab, und das imperium, das war das imperium roraanum; römisches Reich, das war das Reich schlechtes«?