Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 12 (1936-1937)
- Issue
- Heft 10 (Januar 1937)
- Article
- Hebräische Wissenschaft [Rezension]
- Date
- 1937-01-01
- Page
- 478 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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konnte nachzubilden, — und auch seine Ausgabe, eine Auswahl, ist ein schöner Versuch geblieben. Im Hebräischen liegt theoretisch noch eher die Möglichkeit vor, den Koran in Reimprosa umzugießen, die hier gerade nach arabischem Vorbild zu einem Kunstmittel der mittelalterlichen Dichtung ausgestaltet worden war; aber einfacher, ernster und nicht minder dichterisch ist die Übertragung in den Stil der BibeL Bei einer solchen werden auch notwendig die jüdischen Grundlagen — Herübernahme wie Einflüsse — des Grundwerkes der islamischen Theologie sichtbar, eine an sich dem Leser wichtige Erkenntnis, die zugleich das Lesen erleichtert. In dieser Richtung bewegt sich die anscheinend mit großer Mühe gearbeitete, Wort für Wort durchgefeilte, nicht immer flüssige, dafür in einem prägnanten Bibelstil dargebotene (und mit laufenden knappen Erklärungen versehene) neue Übertragung von Joel Riwlin, dem Dozenten der Jerusalemer Universität. Der kürzlich veröffentlichte erste Teil, der etwa ein Sechstel des Ganzen umfaßt, berechtigt zu der Erwartung, daß hier der hebräische Koran geschaffen ist, nachdem der im vergangenen Jahrhundert unternommene schöne Versuch Hermann Reckendorfs, der auch wissenschaftlich überholt ist, keine Popularität zu erringen vermocht hat. Das Wasser „Vom Wasser haben wir's gelernt" (W. Müller). „Das Wasser — wie Licht und Luft allen gemeinsam und niemandes Eigentum" (Ovid). „Nichts auf Erden ist so weich und nachgiebig wie das Wasser, und doch ist nichts zwingender für das Harte und Starre" (Laotse). Raphael P a t a i, Doktorand der Jerusalemer Universität, veröffentlicht ein Werk über die Rolle des Wassers im alten Judentum, in Brauch und Gesetz, Volksvorstellung und Religion, in Mythos, Sage, Geschichte und in der Sprache (an 150 Vokabeln des biblischen und talmudischen Idioms, die das Wasser als Element und Naturerscheinung — vom Tropfen bis zum Meere — ausdrücken, werden untersucht) und in der Geographie Palästinas (alle Ortsnamen etc. im Lande Israel, die mittel- oder unmittelbar vom Wasser ihren Namen haben, werden aufgeführt). Der folkloristische wie der religionswissenschaftliche, der philologische wie der topographische Teil des keineswegs „wässrigen" Buches stehen auf der Höhe der zeitgenössischen Forschung, und die leidenschaftliche Anteilnahme des Verfassers an seinem Thema verbirgt sich hinter einem äußerst sachlichen Text. Um eine Pointe freilich hat er sich gebracht, da er die aus dem Midrasch heraus entwickelte Konjektur des allerersten Bibelverses außer acht gelassen hat: „Im Anfange schuf Elohim das Wasser und das Land." Palästinensische Ortssagen Ascher Ben-Israel, Lehrer in Jerusalem, legt das erste Buch einer offenbar auf viele Bände berechneten Sammlung vor: die volkstümlichen Überlieferungen der Juden, in Auswahl auch die der Mohammedaner und Christen, die sich um die altehrwürdigen Stätten des 478