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Der Morgen · 1937-01-01 · Heft 10 (Januar 1937) · p. 469

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Journal
Der Morgen
Volume
12 (1936-1937)
Issue
Heft 10 (Januar 1937)
Article
Alfred Mombert
Date
1937-01-01
Page
469 (sequence 3)
Language
German
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Alfred Mombert mächtigen Klang der Verse geführt, den Bildern hingibt, die diese Worte heraufrufen, der erhält ein Gefühl von Fertigsein, Aufbruch, Abschluß, Vollendung so rein und stark, wie eben nur große Kunst, plastische, musikalische, dichterische es zu geben vermag. Es hängt mit der lyrischen Reinheit, mit der Naturüberlegenheit der Mombertschen Poesie zusammen, daß viele seiner Zeilen ganz wie bestimmte Takte großer Musik auch außerhalb des Zusammenhangs leben und wirken können. „Du wirst wiederkommen, o Phantasie". . „Hier ist ein Gipfel, um drauf einzuschlafen". . „Im Grunde eines grünen Felsentales / ließ ich den Abendslern am Boden liegen". . „Gott ist vom Schöpferstuhl gefallen / hinunter in die Donnerhallen / des Lebens und der Liebe." Das alles steht in großen dichterischen Zusammenhängen; aber auch an sich reißen solche Zeilen unsere Phantasie mit einer solchen Wucht empor, daß sie schon ein Erlebnis von vollgültiger Stärke bilden können. Wenn nun Mombert sein grandioses Weltgefühl wie im ganzen Gedicht schon in den kleinsten Teilen jedes Gedichtes verrät, so macht dieser Dichter andererseits häufig den Versuch, große Gruppen dieser Gedichte in einem übergeordneten Gebilde zu verbinden. Er schafft mythische Phantasien, erfindet phantastische Gestalten und Schicksale, um diese Aussprachen seines Weltgefühls zusammenzufassen. So hat er in Büchern, die er „Symphonische Dramen" nennt, von Aeon gedichtet und von Urasima und von Aigla in ihrem Tempel. Mombert ist Jude. Ist sein Weltgefühl jüdisch? Vor einem Vierteljahrhundert hatte ich einmal in einem Aufsatz der Kölnischen Zeitung über den Anteil der Juden an der deutschen Dichtung geschrieben und dabei auch Momberts Judentum erwähnt. Ich erhielt darauf einen Brief des Dichters, der auch noch heute Beachtung verdient. Es hieß da: „Um es mit einem Wort zu sagen: ich bin nicht Jude sondern Asiate. Nicht etwa literarischer Asienreisender — sondern Einwohner Asiens, von dem Europa geographisch usw. ein Ausläufer ist." Dazu wäre nun vielerlei zu sagen. Zunächst einmal, daß die menschliche Kulturgeschichte ohne die Unterscheidung von Europa und Asien wohl nicht viel Sinn behält. Wahrscheinlich ist das größte Ereignis der Weltgeschichte doch die Schlacht von Salamis, mit der Europa eine selbständige Existenz gegen Asien behauptete. Der griechische Geist, der die unterscheidende Form wollte und von dem alles Europäische abstammt, hat sich gegen den asiatischen, der immer im Begriff ist, alle Formen in den Ilausch eines ungeheuren Allgemeingefühls zurückzuschlingen, behauptet. (Die kleinen griechischen Republiken und die riesige asiatische Gesamtdespotie, das war die frühste und äußerlichste Form eines Gegensatzes, der doch noch bei Goethe und Dostojewski fortlebt.) Aber weiter ist zu sagen, daß von allen asiatischen Kulturen die stärkste Berührung mit Europa die jüdische gehabt hat, vor allem, aber nicht nur durch ihr Kind, das Christentum. Mehr als irgendeine andere Religion kann die der jüdischen Propheten, die das Gottesgefühl ins Menschlich-Ethische getragen, die den „Gott der Gerechtigkeit" geschaffen haben, zum Europäischen in Beziehung treten; denn das Menschliche ist dem Weltall gegenüber Auswahl und Grenze. Und insofern hat es vielleicht Sinn, wenn Mombert sich nicht Jude, sondern Asiate 469

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