Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 12 (1936-1937)
- Issue
- Heft 10 (Januar 1937)
- Article
- Judentum und Umwelt in der Neuzeit
- Date
- 1937-01-01
- Page
- 438 (sequence 6)
- Language
- German
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Max Eschelbacher wie die Verkörperung der geschichtlichen Wende. „Ihm ist es mit zu danken", rühmt ihm Karl Lamprecht in der „Deutschen Geschichte" nach, „wenn die deutsche Aufklärung sich, freilich zugleich eingeborenem Wesen folgend, nicht den zersetzenden Wirkungen des französischen Materialismus hingab, sondern ihrem ursprünglichen, positiven Charakter, den deistischen Idealen vernunftgemäßer Erkenntnis Gottes und freien Unsterblichkeitsglaubens, in gemütvoller Emphase treu blieb". Aber er ist nicht der früheste Vertreter der neuen Zeit unter uns, er hatte Vorläufer. Allmählich, vereinzelt, treten uns schon in der vor-mendelssohnschen Zeit europäisch gebildete Juden entgegen. Der Große Kurfürst erlaubte dem einen und anderen den Besuch der Universität zu Frankfurt a. O. Andere bildeten sich auf italienischen und holländischen Hochschulen. Solche Gestalten, noch im Ghetto wurzelnd und doch schon in der Welt der europäischen Kultur lebend, wie Aron Gomperz oder Israel Samosz, sind im 18. Jahrhundert nicht mehr ganz selten. Nicht mit einem Sprung, sondern langsam und allmählich hat das Judentum damals seinen Weg in die Welt gesucht und gefunden. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts begannen dann die Juden zu ernten, was ihre Väter und Großväter gesät hatten. In dieser Epoche stieg auch die wirtschaftliche Bedeutung der Juden. In Handel und Industrie errangen sich manche eine bedeutende Stellung, in Krieg und Frieden wurden sie für den Bestand des Staates wichtig. Es sei an Samson Wertheimer und seinen Vorgänger Samuel Oppenheimer erinnert. In den Nöten der Türkenkriege und des Spanischen Erbfolgekrieges brachten sie immense Mittel für die habsburgische Kriegsführung auf. Aber auch die wirtschaftlich über ihren Kreis hinaus wirkenden Juden wurzelten in dieser Epoche noch ganz im Judentum. Samson Wertheimer war zugleich ungarischer Landesrabbiner. Veitel Heine Ephrajim, der Hof juwelier Friedrich Wilhelms I., der Münzmeister Friedrichs des Großen, der frühe Förderer der Seidenindustrie in Preußen, hat zugleich ein Bet Hamidrasch begründet und die Mittel für die Begründung der Veitel-Heine-Ephrajimschen-Lehranstalt gestiftet. Die Eingliederung in die große Welt vereinigt sich in dieser glücklichen Generation mit einer opferwilligen Treue zum Judentum. Wir finden um diese Zeit auch wieder Juden im Kriegsdienst. Im Mittelalter waren sie heeresunfähig gewesen. In der Neuzeit hatten sie sich auch auf diesem Gebiete wieder Respekt erworben. „Der Jude ist in der älteren und auch in der mittleren Zeit sehr tapfer gewesen, und man hat selbst in ganz neuer Zeit, sowohl im amerikanischen als französischen Revolutionskriege, auffallende Beispiele von Juden gehabt, welche sich ausgezeichnet haben.". . . „Ihre Conscriptions- 438