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Der Morgen · 1936-12-01 · Heft 9 (Dezember 1936) · p. 418

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Journal
Der Morgen
Volume
12 (1936-1937)
Issue
Heft 9 (Dezember 1936)
Article
Engländer und Juden in Palästina
Date
1936-12-01
Page
418 (sequence 2)
Language
German
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M. Y. Ben-Gavriel selbst sich niemals so nennen wird, denn in jedem Haus, über dem die englische Flagge weht, ist England. Aus dieser Grundstimmung ergibt sich eine von vornherein ablehnende Haltung gegen jedes Element, das nicht in das jahrhundertealte, von Beamtengeneration auf Beamtengeneration überlieferte Schema hineinpaßt. Palästina nun stellt eine in aller Kolonialgeschichte und Kolonialpraxis neuartige Konzeption eines Mandatsgebiets dar, also auch eine geschichtlich neuartige Aufgabe. Seine jüdische Bevölkerung ist ein Element, für dessen Behandlung keine ererbten Regeln vorhanden sind; es läßt sich nicht einfach nach einem in Indien, in Britisch-Venezuela oder im Buschland brauchbaren Rezept behandeln. Diese Menschen, die aus Europa kommen, zumeist sogar aus sozialen Schichten, die nicht tiefer sind als die der Beamten, geistig beweglich und überdies von einer in aller Kolonialpraxis unbekannten Idee fanatisiert, stellen eine Art von „Nalives" dar, deren Behandlung schwieriger ist als die aller andern überseeischen Untertanen Seiner Britischen Majestät. Man muß neue Wege suchen, und das Suchen neuer Wege ist nicht jedermanns Sache, besonders in einem exzessiven Klima und wenn man weiß, daß man nur eine bestimmte Zahl von Jahren damit zu tun hat. Die Schwierigkeiten müssen sich häufen, sonderlich, wenn sie dazu noch von einer politischen Art sind, die man sonst nirgends kennt, und wenn der Stand der englischen Beamten infolge dieses spezifischen Milieus nicht wie in den andern Kolonien die Spitze der sozialen Pyramide im Land darstellt. Wo in der Welt Engländer herrschen, bilden sie eine in sich abgeschlossene Kaste, die keinen persönlichen Verkehr mit den Eingeborenen pflegt; aus vielen Ursachen, nicht zuletzt aus Tradition von jener Zeit her, da der Kulturunterschied zwischen Herrschenden und Beherrschten unüberbrückbar war. Dieser traditionellen splendid isolation wird aber in Palästina ein gutes Stück ihrer Freiwilligkeit genommen, weil es hier tatsächlich gleichwertige Gesellschaftsschichten gibt. Sie kommen aber für gesellschaftlichen Verkehr nicht in Frage, weil, nun weil sie Objekte der Administration sind. Diese Absonderung, im Verein mit den oben angedeuteten Gründen, muß schließlich eine unbewußte, latente Verärgerung ergeben, die den Boden bildet für jene Haltung, die man als neuen englischen Kolonialantisemitismus bezeichnen kann. Beinahe immer stellt er eine vornehmlich „psychologische" Abneigung dar. Eine Haltung, die in jedem britischen Kolonialland die selbstverständliche ist und, vom englischen Standpunkt aus gesehen, außer jeder Diskussion steht, erzeugt also in Palästina, wo die Voraussetzungen durchaus andere sind, eine gewisse Unsicherheit und damit gerade bei Menschen, die infolge ihres Berufes nicht unsicher sein dürfen, eine Verstärkung der Abneigung gegen die — unbewußten — Erreger dieser Schwierigkeiten. Der Beamte, der aus irgendeiner englischen Kolonie nach Palästina versetzt wird, ist gewohnt, mit Farbigen zu tun zu haben, die zu verstehen er sich nur soweit bemüht — wie jeder weiße Mann, der nicht gerade Forscher oder Detektiv ist —, als er es notwendig hat, um seinen Amtsbereich in Ordnung zu halten. Die Kolonien, ob sie nun in Afrika oder in Asien liegen, haben ihr Verwaltungsschema, nach dem sie auf Grund alter Tradition administriert werden. Die Bevölkerung ist seit langer Zeit an die Verwaltung gewöhnt, und alle Schwierigkeiten, die sich ergeben, werden, gleichfalls nach einem Schema, durch das C.I. D. (die 418

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