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Der Morgen · 1936-12-01 · Heft 9 (Dezember 1936) · p. 417

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Journal
Der Morgen
Volume
12 (1936-1937)
Issue
Heft 9 (Dezember 1936)
Article
Engländer und Juden in Palästina
Date
1936-12-01
Page
417 (sequence 1)
Language
German
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M. Y. Ben-Gavriel: Engländer und Juden in Palästina Wiederholt wurde die Behauptung aufgestellt, eine Reihe von hohen englischen Beamten in Palästina seien antisemitisch eingestellt, dem jüdischen Element und seinen Forderungen durchaus abgeneigt und mit ihren Sympathien ungeteilt auf arabischer Seite. Diese Behauptung könnte höchstens auf einzelne Beamte des Zivildienstes zutreffen, während die der Exekutive, besonders der Polizei und des Militärs, die sich der Dienste gewisser jüdischer Schichten, besonders der Chauffeure, in umfangreicher Weise gerade in den Unruhetagen bedienten, zumeist anders eingestellt sind. Darüber hinaus aber muß, trotz manchen Tatsachen, die nachdenklich stimmen, das allzu billige Schlagwort vom Antisemitismus in der palästinensischen Beamtenschaft abgelehnt werden, weil die antijüdische oder vielmehr proarabische Haltung dieser Kreise andere Quellen hat als der politische oder wirtschaftliche Antisemitismus in den Ländern der jüdischen Galut. Sie entspringt aus einer von realen Überlegungen meist freien, rein gefühlsmäßigen Haltung, welche in der geistigen Situation des Kolonialengländers, in der typisch englischen Einstellung nichtenglischen Menschen gegenüber und im Kolonialmilieu ihre Erklärung findet. Die Diskrepanz zwischen dem Lebensstil im Innern des kolonialenglischen Hauses und dem Milieu, innerhalb dessen dieses Haus aufgebaut ist, führt zu dem eigenartigen Typ des englischen Kolonialbeamten. Der Engländer bringt seine Sitten und seinen Lebensstil mit, wohin er immer kommt, vom chimney bis zu den gesellschaftlichen Regeln im kleinsten Beamtenklub irgendwo in Übersee. Außerhalb des Kamins, außerhalb des Klubs aber, dort, wo er zu arbeiten hat, erhebt sich eine durchaus andere Welt mit anderem Klima, mit anderen Straßen und insbesondere mit anderer Reaktion der Menschen; in diesem durchaus unenglischen Milieu bemüht er sich für die von vornherein begrenzte Zeit seines Aufenthalts, seine private Sphäre mit angeborener Zähigkeit aufrechtzuerhalten, weil er jeder Assimilation unfähig ist und eine solche ihm auch in keinem Fall wünschenswert erscheint. Aus diesem dauernden Gegensatz zwischen Amt und Privatleben muß sich schließlich eine eigenartige Geisteshaltung ergeben. Der Kolonialengländer ist kein Engländer mehr im Sinn des Inseltyps und kein „Eingeborener", er ist ein Typ für sich, der in manchen Dingen anders reagiert als der Engländer in England und durchaus anders als der Native. Er weiß, daß, selbst wenn er der jüngste junior officer irgendwo hinten in den Straits-Settlements ist, er eine der Säulen des British Empire darstellt, daß er mit größerer Macht ausgestattet ist, als er sie daheim je erringen kann, und daß auf seinen Schultern Verantwortung lastet, aber er fühlt gleichzeitig das mit den Jahren des Kolonialdienstes sich steigernde Unbehagen der Abgeschiedenheit von der Heimat, das Unbehagen der Fremde, der Existenz als Fremdkörper, obwohl er 417

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