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Der Morgen · 1936-12-01 · Heft 9 (Dezember 1936) · p. 407

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Journal
Der Morgen
Volume
12 (1936-1937)
Issue
Heft 9 (Dezember 1936)
Article
Die Stadt
Date
1936-12-01
Page
407 (sequence 5)
Language
German
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Die Stadt ihm müßig, sich mit derlei Gedanken zu beschweren. War er nicht gerade auf dem Wege zu der neuen und sicheren Existenz, würde er nicht schon in zwei Stunden Herrn Tarani triumphierend einen Brief schicken können, um ihn davon zu unterrichten, daß er sich gründlich getäuscht und daß er gar keine Berechtigung gehabt habe, ihn aus seinem Hause zu weisen? Die Bemerkung des Kellners fiel ihm ein, daß Herr Tarani sogar Stadtverordneter sei. Nun, er, der Fremde, würde bald Mittel und Wege finden, um den braven Bürgern dieser Stadt die Augen zu öffnen über das schändliche Verhalten ihres Herrn Stadtverordneten, der sich anmaßte, ehrbare Leute quasi auf die Straße zu setzen. Er sah ein Schild: Hochmeisterallee. Hier war es, Nr. 17b stand in der Annonce; ein kleines Mädchen, das er fragte, sagte ihm. das müsse ganz am Ende der Straße sein, er solle nur immer geradeaus gehen. Dies war also die Allee, die an die Grenze der Stadt heranführte! Der Fremde ging langsam, wobei er das rechte Bein, das er sich verletzt hatte, ein wenig nachschleifte. Rasch zog er noch einmal einen Taschenspiegel hervor und betrachtete darin aufmerksam sein Gesicht. Er sah bleich und übermüdet aus, aber das würde er leicht damit motivieren können, daß er gerade vom Zug komme und daß er schon seit seiner Kindheit das Bahnfahren nicht gut vertrage, vor allem nicht bei solcher Hitze wie an diesem Tag. Jetzt konnte er schon das Ende der Straße erkennen, nur noch ein paar Häuser trennten ihn von jenem Punkt, wo das Landmeer Baracken und rostige Eisenbettstellen, geplatzte Fahrradschläuche und mottenzerfressene Matratzen an die Stadtinsel heranschwemmt. Vergebens suchte der Fremde das Haus Nr. 17 b. Das letzte Gebäude, das mit einer Nummer auf der rechten Straßenseite versehen war — auf der gegenüberliegenden Seite zählten die Häuser in den Sechzigern — war eine Gärtnerei, 17a. Dann kam ein großer Schutthaufen mit zerbrochenem Fensterglas und allerlei Gerümpel und danach das Land. Gegenüber dem Schutthaufen befand sich eine kleine Autoreparaturwerkstatt; ein älterer Mann im blauen Arbeitskittel, offenbar der Besitzer oder ein Angestellter, machte sich an einem Motorrad zu schaffen, das vor der Tür stand. Der Fremde hinkte hinüber und fragte erregt, ob es denn das Haus 17b nicht gebe, oder ob vielleicht in der Stadt noch eine andere Hochmeisterallee sei; er käme von außerhalb und wisse nicht Bescheid. Der Mann im Kittel schüttelte den Kopf. Die Hochmeisterallee gebe es nur einmal; und im übrigen sei da drüben auch 407

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