Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 12 (1936-1937)
- Issue
- Heft 9 (Dezember 1936)
- Article
- Die Stadt
- Date
- 1936-12-01
- Page
- 408 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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Heinz Berggrün ein Haus Nr. 17 b gewesen, aber das bestehe nun seit einigen Monaten nicht mehr. Das bestehe nicht mehr? Der Fremde holte hastig einen Zeitungsausschnitt aus der Tasche. „Hier, lesen Sie!" rief er, „das kann nicht stimmen, was Sie sagen, das Haus 17 b muß existieren. Erst vorgestern habe ich diese Annonce aus der Zeitung geschnitten." Der Mann im blauen Kittel wischte sich die Hände am Rock ab, dann nahm er das Blatt, das ihm der Fremde reichte: Lebenstüchtigem Herrn bietet sich, jederzeit zukunftsreiche gesicherte Existenz in seriösem Unternehmen. Persönliche Vorstellung erbeten Hochmeisterallee 17b In fett gedruckten Buchstaben stand es auf dem Zettel. „Bitte sehr," rief der Fremde noch einmal, „vorgestern habe ich es gefunden. Oder meinen Sie, daß vielleicht die Adresse verdruckt ist?" Der andere lachte laut auf. „Haben Sie denn auf das Datum geachtet?" fragte er, „das ist doch eine alte Zeitung, 13. März steht da, ganz deutlich kann man es erkennen, hier, sehen Sie!" „Und die Firma?" fragte der Fremde fassungslos, „besteht die denn nicht mehr? Vielleicht ist sie umgezogen?" „Ausgeschlossen! Die Firma ist aufgeflogen oder zusammengekracht, wie Sie wollen. Vom ersten Tage an sagte ich zu meinen Leuten: ,Das da drüben ist kein reeller Betrieb/ Niemand wußte, wer die Geldgeber waren und was da eigentlich getan wurde. Jede Nacht war das Haus hell erleuchtet, tagsüber fast immer geschlossen, ein Schwindelunternehmen schlimmster Sorte. Und da ausgerechnet wollten Sie sich bewerben?" Mitleidig betrachtete er den Fremden. „Sie sind ja ganz außer sich," sagte er, „kommen Sie, ich gebe Ihnen etwas Kaltes zu trinken, vor allen Dingen müssen Sie sich ein bißchen ausruhen." Er nahm den Fremden beim Arm und zog ihn in das Innere der Werkstatt. „Hier, setzen Sie sich, ich bringe Ihnen gleich ein Glas Milch." Der Fremde fiel auf den Stuhl. In der vor Schweiß verklebten Hand hielt er zerknüllt das Inserat. Am Rednerpult des großen Sitzungssaales im Rathaus sah er Herrn Tarani im Gehrock stehen. Er schwenkte ein dickes Expose in der Hand und rief: „Lebenstüchtigem Herrn bietet sich jederzeit zukunftsreiche gesicherte Existenz in seriösem Unternehmen!" Schallendes Gelächter, Beifall, Zwischenrufe. 408