Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 12 (1936-1937)
- Issue
- Heft 9 (Dezember 1936)
- Article
- Thesen zur Wanderungsfrage
- Date
- 1936-12-01
- Page
- 390 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- Tunis 1× ep/1048155
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Arthur Prinz zwischen den Anhängern sehr verschiedener Ideale. In diesem Sinn versuchen wir hier, einigen der gefährlichsten Illusionen, die man heut in diesem und in jenem Lager über die Wanderungsfrage hegt, entgegenzutreten und den Bereich der Wirklichkeiten und Möglichkeiten ungefähr abzugrenzen2). II. Für den Zionismus dürfte der jetzige Augenblick, der nach den schweren Kämpfen des letzten halben Jahres um den jüdischen Aufbau Palästinas einen Waffenstillstand gebracht hat, zur politischen Besinnung besonders geeignet sein, jedenfalls zeichnen sich im Lichte der letzten Ereignisse bestimmte Tatsachen immer klarer ab. Es kann heute schwerlich jemand noch die Illusion hegen, daß das Einwanderungstempo der letzten Jahre in Palästina auf die Dauer durchgehalten oder gar gesteigert werden könne. So unwahrscheinlich, ja ausgeschlossen es erscheint, daß England etwa die Herrschaft über Palästina aufgeben oder die Grundgedanken des Mandats verleugnen könnte, so wahrscheinlich, wenn nicht sicher ist es, daß die jüdische Einwanderung nicht nur nach der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit des Landes bemessen werden wird, sondern daß auch politische Faktoren eine Rolle spielen werden, und daß insbesondere die antizionistische Einstellung der Araber außerhalb Palästinas für die „größte mohammedanische Macht der Welt" von nicht geringer Bedeutung sein wird. Dieser letzterwähnte Faktor — die Haltung der Araber außerhalb Palästinas — kann aber auch für den Zionismus insofern von Bedeutung werden, als in allen mehr oder minder arabischen Ländern, von Tanger und Marokko über Algier, Tunis, Tripolis bis nach dem Irak und Yemen, jüdische Minderheiten leben, die sich bei einer Verschlechterung des jüdischarabischen Verhältnisses in Palästina leicht in der Stellung von Geiseln sehen könnten3). Ferner liegt es auf der Hand, daß die tatsächliche wirtschaftliche Aufnahmefähigkeit Palästinas nicht zuletzt von den politischen Beziehungen des Jischuw zu den Bewohnern der umliegenden arabischen Staaten stark beeinflußt werden muß, — von ihrer Bereitwilligkeit nämlich, jüdische Waren zu kaufen. Ist doch der Boykott auch in Asien eine alte politische Waffe, die selbst starke Mächte (wie Japan in China!) empfindlich zu treffen vermag. Nicht zuletzt aber wird jede verantwortungsbewußte zionistische Politik es sich zehnmal überlegen müssen, im Kampf um eine möglichst große Einwanderung nach Palästina den Bogen zu überspannen und uns 2) Um jedes Mißverständnis zu vermeiden, sei ausdrücklich betoat, daß dieser Aufsatz nur die persönliche Meinung des Verfassers wiedergibt. 3) Die letzthin im Irak von führenden Juden abgegebenen antizionistischen Erklärungen sind in dieser Hinsicht sehr aufschlußreich. 390