Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 12 (1936-1937)
- Issue
- Heft 8 (November 1936)
- Article
- Die Stadt
- Date
- 1936-11-01
- Page
- 365 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Stadt alle ein sehr klares Ziel und eine sehr solide Basis. Und offen gestanden wüßte ich kaum einen Fall zu nennen, bei dem einer zögerte, den Grund seines Hierseins anzugeben. Ich will Sie nicht beleidigen, aber Sie werden mir zugestehen: es würde keine Stärkung unseres Prestiges bedeuten, wenn wir zugeben müßten, Leute bei uns aufgenommen zu haben, von denen wir nicht recht sagen können, womit sie sich eigentlich befassen. Und es wären nicht nur Prestigegründe nach außen hin, die uns veranlassen könnten, so etwas grundsätzlich abzulehnen. Wir selbst würden uns in unserem Empfinden der Korrektheit betroffen fühlen, wüßten wir jemand in unserem Hause, dessen Erscheinung zu allerlei nicht gerade vorteilhaften Vermutungen Anlaß gäbe. Ich bitte Sie noch einmal inständig, fassen Sie das alles nicht als Kränkung auf. Vielleicht haben Sie einen anderen Begriff von Honorigkeit und von bürgerlichem Gewissen. Es bleibe Ihnen unbenommen. Uns aber gestatten Sie, Sie in aller Höflichkeit zu bitten, morgen unser Haus zu verlassen und sich für Ihren weiteren Aufenthalt — Sie wollten ja wohl noch zwei Jahre bleiben — nach einem anderen Quartier umzusehen; in der Gegend des Flusses unten finden Sie sicher etwas Passendes. Wenn Sie nun noch die Freundlichkeit hätten, mir pro forma anzugeben, was ich für die Behörden zu der Frage, die ich vorhin an Sie stellte, notieren kann, wäre ich Ihnen besonders verbunden; außerdem würde es mir gestatten, Sie endgültig von meiner Gegenwart zu befreien." Diese letzten Sätze hatte Herr Tarani mit einer bewundernswerten rhetorischen Eleganz vorgebracht, — der Fremde, betroffen von der Glätte und Sicherheit des Ausdrucks, mit der ihm der Geschäftsführer in den Grenzen konventioneller Höflichkeit zu bedeuten wußte, daß er nicht der geeignete Gast für sein Hotel sei, erwiderte leise: „Es wäre tatsächlich gut, wenn Sie jetzt gingen. Als Sie eben sprachen, merkte ich, wie müde ich geworden bin. Ich hatte große Mühe, Ihnen zuzuhören; aber es war interessant, was Sie sagten. Hier haben Sie übrigens für Ihre Behörden den Anlaß meines Aufenthalts — natürlich nur pro forma, wie Sie sagten: Gründung einer neuen Existenz — genügt Ihnen das?" (Schluss folgt) Das Oktoberheft enthielt u.a.: Politik im Judentum von E.R.-I.. Joachim Prinz, Ianaz Maybaum | Hans Joachim Schoeps, Galut f Camilla Kaul, Ber ->son und der Baal Schern / Max Grunwald, Palästinaerde als Grabbeigabe / Gina Gärller, Baumlieder Im Dezemberheft schreiben u.a.: Ilse Blumenthal-Weiß, Warum? | V über Franz Rosenzweig | Artur Prinz, Thesen zur Auswanderungspolitik 365