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Der Morgen · 1936-11-01 · Heft 8 (November 1936) · p. 362

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
12 (1936-1937)
Issue
Heft 8 (November 1936)
Article
Die Stadt
Date
1936-11-01
Page
362 (sequence 5)
Language
German
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Heinz Berggrün Nun lächelte Herr Tarani wieder. „Sie erinnern sich vielleicht an den kleinen Unfall, den Sie unten am Fluß erlitten hatten. Als Sie ankamen, waren Sie so geschwächt, daß man Ihnen unmöglich zumuten konnte, sich mit derlei Formalitäten zu befassen. Und nun gehe ich schon seit über einer Stunde hier auf dem Flur vor Ihrer Tür auf und ab, klopfe ab und zu zaghaft und warte darauf, daß Sie vielleicht einmal aufwachen und mich hereinbitten/' „Das war sehr rücksichtsvoll von Ihnen. Ich bin tatsächlich eben wach geworden, so daß Sie mich also gar nicht so sehr gestört haben. Aber sonderbar ist die Sache doch/' Herr Tarani schüttelte den Kopf. „Nein", sagte er, „die Fremden werden überall ein bißchen schikaniert, das muß man schon in Kauf nehmen. Im übrigen gehe ich gleich wieder, wenn Sie nur die Güte hätten, mir einige Fragen zu beantworten; ich werde alles für Sie notieren, Sie brauchen nachher bloß Ihren Namen darunter zu setzen/' Der Fremde ließ den Kopf in die Kissen zurückfallen. Er starrte die Decke an, auf der die Schatten seltsame Kringel formten. Herr Tarani fragte mit öliger Stimme nach Namen, Geburtsort und Alter. Der Fremde antwortete rasch; erst bei der vierten Frage zögerte er. „Müssen Sie das ausfüllen?" „Aber Sie werden doch einen Beruf haben! Jeder Mensch hat einen/' „Das stimmt nicht. Es gibt zum Beispiel Leute, die von ihrem Vermögen leben/' „Ja, daran habe ich allerdings im Moment nicht gedacht. Sie gehören also zu dieser Gruppe?" „Durchaus nicht. Ich habe es nur erwähnt, um Ihnen zu beweisen, daß Sie unrecht hatten." Herr Tarani lachte. Sein Lachen war wie eine Verbeugung. „Was soll ich nun also schreiben?" begann er von neuem. „Schreiben Sie: Unternehmer", sagte der Fremde, „ich glaube, das paßt am besten. Schließlich unternimmt man immer etwas." „Gut, ich schreibe es auf Ihre Verantwortung. Es kommt mir zwar, offen gestanden, etwas phantastisch vor, so wie Sie es ausdrücken, aber das ist ja nicht meine Sache. Und nun, wenn Sie gestatten, die nächste Frage: voraussichtliche Dauer des Aufenthalts?" „Vielleicht viele Jahre, vielleicht auch nur ein paar Monate; ich kann es wirklich nicht sagen." Der Geschäftsführer runzelte die Stirn. „Jetzt bringen Sie mich aber in Verlegenheit", sagte er, „Sie werden doch ungefähr wissen, wie lange Sie bleiben". 362

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