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Der Morgen · 1936-11-01 · Heft 8 (November 1936) · p. 356

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Journal
Der Morgen
Volume
12 (1936-1937)
Issue
Heft 8 (November 1936)
Article
Vom Werden einer Generation
Date
1936-11-01
Page
356 (sequence 8)
Language
German
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Werner Rosenstock Gedankens von der Gleichheit alles dessen, was Menschenantlitz trägt, gleichzeitig, gewissermaßen als Nebenprodukt, die Judenfrage lösen würde. Sie hatten daher vielfach die Aufrechterhaltung der Judenheit, als Sondergruppe, als überflüssig oder gar entwicklungshemmend empfunden. Es gehört jedoch zu den Grundgesetzen der jüdischen Geschichte, daß eine derartige Lösung durch Auflösung nicht möglich ist, und zu den tragischen Auswirkungen jüdischen Sonderschicksals, daß sich immer wieder erneut jüdische Menschen solchen Illusionen hingeben. Die proletarisch motivierte Ablehnung jüdischen Gemeinschaftslebens stützte sich vor allem darauf, daß dieses überwiegend bürgerlich und religiös bestimmt sei. Demgegenüber hatte der Bund als nichtzionistische Jugendorganisation eine besonders schwierige Gegenposition. Die hausbacken-bürgerliche Argumentation der nichtzionistischen Erwachsenenorganisationen konnte er sich nicht zu eigen machen, ein neues, konkret greifbares Gesellschaftsbild, wie es die zionistische Jugendbewegung ihren Menschen versprach, konnte er auch nicht bieten, und um die Religion war es ihm zu ernst, als daß er sich für berechtigt gehalten hätte, in ihrem Namen zu sprechen. Die innere jüdische Revolutionierung, um die es ihm ging, ließ sich nicht so leicht in Worte oder gar in Parolen fassen. So mußte er sich auf das zurückziehen, was Wassermann einmal die „Instinktbasis" des Menschen nennt. Mehr als durch Argumente aber wurde das, was als lebendige jüdische Wirklichkeit erstrebt wurde, verkörpert durch die jüdische Persönlichkeit von Ludwig Tietz, der den jüdisch Entschiedenen im Bunde richtungweisend und auch denjenigen als Führerautorität maßgebend wurde, die seinen jüdischen Weg nicht glaubten gehen zu können. „Die Zeit und das mächtige Schicksal" ließen die Auseinandersetzung zwischen den Richtungen zugunsten der jüdischen enden, und zwar in einer Weise, wie sie von keinem der Beteiligten erwartet oder gar erwünscht war: mit unwiderstehlicher Kraft wurde die Eigengesetzlichkeit jüdischen Geschehens und die Unentrinnbarkeit vor dem jüdischen Schicksal offenbar; sie führte auch diejenigen in ihre jüdische Gemeinschaft zurück, die sich vorher freiwillig nicht zu ihr hatten entscheiden können. Ausklang Neben der Jugend, die, sei es im Jüdischen, sei es im Menschlichen, „bewegt" war, war eine andere Jugend herangewachsen, die auf dem Boden der Tatsachen stand und die für die „praktischen" Notwendigkeiten des Tages Verständnis zu haben vorgab. Sie war unkritischer und daher der alten Generation wesentlich sympathischer. Sie versprach, die Massen zu erfassen und bestritt der bündischen Jugend das Recht, im 356

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