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Der Morgen · 1936-11-01 · Heft 8 (November 1936) · p. 355

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Journal
Der Morgen
Volume
12 (1936-1937)
Issue
Heft 8 (November 1936)
Article
Vom Werden einer Generation
Date
1936-11-01
Page
355 (sequence 7)
Language
German
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Vom Werden einer Generation Intensivierung der jüdischen Bildungs-und Sozialarbeit in Deutschland ein. Der Unterschied zum Parteizionismus, jedenfalls seiner theoretischen Konzeption, blieb trotzdem bestehen: man lehnte eine Verabsolutierung des Jüdischen ab und hielt die Berührung jüdischen und europäischen Wesens nicht für eine Notlösung, sondern für eine jüdisch-legitime und fruchtbare Lebensform. Schließlich sah man bei aller Liebe zu Palästina auch die Begrenztheit des Aufbauwerks für die Lösung der jüdischen Frage. Nicht ein Minus an allgemeinem Kulturbewußtsein, sondern ein Plus an Jüdischkeit machte den Unterschied zur Mehrzahl der damaligen Juden aus. Den Werten der Umwelt war man aufgeschlossen wie nur irgend einer (in wie starkem Maße, sollte erst bewußt werden, als die lebendige geistige Beziehung abriß). Doch man hatte gleichzeitig die Grenzen der Assimilation erkannt. Assimilation: das hieß damals weitgehend Gleichgültigkeit gegen alles Jüdische, wobei man sich jedoch fast unverändert in einem geschlossenen Milieu bewegte und damit die innere Unhaitbarkeit der eigenen Position unbewußt erwies. Parallel mit der Auseinandersetzung über diese Grundfragen ging das Bemühen, in jüdisches Geistesgut einzudringen. Auch die Herausbildung jüdischer Formen (insbesondere im Lied) wurde teilweise versucht. Doch kam man hierbei über die Anfänge nicht weit hinaus. Die formenden Kräfte der Umwelt wirkten mit gleicher Stärke wie die jüdischen Kräfte des Blutes und der Tradition. Daß diese jedoch neu ausgelöst werden mußten, während jene so selbstverständlich waren, daß man sie sich nicht erst bewußt zu machen brauchte, gab ihnen das Übergewicht. Deshalb fühlte man sich auch von der krampfhaften Überbetonung des Deutschtums, wie sie mitunter im jüdischen Lager anzutreffen war, abgestoßen. Man sah darin den Ausdruck einer Unsicherheit auf deutschem und jüdischem Gebiete zugleich. Und so sollte man auch später vor den Kurzschluß - Reaktionen bewahrt bleiben, mit denen mancher, der vor dem Umschwung dem Jüdischen völlig ferngestanden hatte, die Bedeutung der Begegnung mit den europäischen Geistesgütern für die jüdische Entwicklung ebenso unterbewertete, wie er sie vorher überschätzt hatte. So wurde, unter bewußter Bejahung der Eingliederung in die Kultur der Umwelt, Judentum als Grundlage neu gewonnen. Wege in die Umwelt Während das Streben nach Ganzheit die einen „tiefer hinein in die eigene Kraft", ins Jüdische führte, trieb es die andern zur verstärkten Auseinandersetzung mit allgemein-politischen Fragen und damit vom Jüdischen weg. Auch zur Zeit des bürgerlichen Liberalismus hatten viele geglaubt, daß der Sieg des 355

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