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Der Morgen · 1936-10-01 · Heft 7 (Oktober 1936) · p. 306

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
12 (1936-1937)
Issue
Heft 7 (Oktober 1936)
Article
Nichtpolitisches Judentum - unpolitisches Judentum - politisiertes Judentum
Date
1936-10-01
Page
306 (sequence 6)
Language
German
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Ignaz Maybaum: Nicht politisches Judentum — ... Auch der Zionismus, durch den das Judentum in die engste Nähe des politischen Schlachtfeldes gerät, darf das Judentum nicht politisieren. Ja, er darf es nicht im Namen seines eigenen Zieles. Was wollen wir in Palästina? Wir wollen Brot für unsern Hunger, und für unsere Seelen wollen wir nichts anderes, als der Jude immer für seine Seele gewollt hat. Auch in Palästina wollen wir keine politischen Ideale. Wir bleiben Juden. Wir wollen Israel-Land, keinen politischen Raum. Ein politisiertes Judentum ist in Palästina ebenso ein Gegensatz zu den Bedingungen, unter denen jüdische Gemeinschaft existieren kann, wie es in der Diaspora mit jeder jüdischen Rechtsstellung unvereinbar ist. Ein nichtpolitisches Judentum wird sich in Palästina den Interessen des englischen Empire und den arabischen Forderungen einordnen können, während ein politisiertes Judentum als solches ein Hindernis für England und eine Herausforderung gegenüber den Arabern sein wird. Ein politisiertes Judentum in Palästina verliert auch den seelischen und geistigen Zusammenhang mit der Diaspora. Wenn die nichtpalästinensische Wanderung, deren Dringlichkeit auch der Zionist anerkennt, dadurch disqualifiziert wird, daß von ihr behauptet wird, sie sei „ohne Verbindung mit einem Ideal", so ist das die Sprache des politisierten Judentums. Es hat recht: sie ist ohne Verbindung mit einem politischen Ideal. Aber das Ziel, das weiter nichts verfolgt, als jüdische Menschen unterzubringen und jüdische Gemeinden zu errichten, hat die Weihe, die die Arbeit umgibt, die Judentum erhalten will. Das Mittel, mit dem das politisierte Judentum seine geschlossene Gemeinschaft schafft, ist die politische Ideologie. Dieses Mittel versagt in jüdischer Hinsicht nach zwei Seiten. Es versagt gegenüber dem Schicksal, das der jüdischen Gemeinschaft als ganzer einen geschlossenen Raum nicht zur Verfügung stellt und sie zwingt, über zerstreute Räume hinweg eine Einheit zu sein. Und es versagt auch darin, daß der von der jüdisch-politischen Ideologie geführte Einzelne nicht mehr der Einzelne ist, den Gott „mit Namen gerufen hat", sondern ein Atom in einer Masse, und daß die so entstehende Gemeinschaft nichts mehr von dem Charakter des Allgemeinpriestertums besitzt. Der Ruf nach jüdischer Gemeinschaft und das Ziel der Einheit des Judentums sind es, die den politischen Weg zu verlassen fordern. Durch die jüdische Lehre, die nicht in jüdisch-politische Ideologien verwandelt und aufgeteilt werden darf, bleibt der Jude Jude und entsteht jüdische Gemeinschaft. Der Sprecher dieses Judentums ist nicht der durch eine Macht Autorisierte, sondern der im Namen Gottes den Mächten der Welt Gegenübertretende. Ist das eine politische Rolle? Nein. Es ist eine jüdische. 306

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