Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 12 (1936-1937)
- Issue
- Heft 7 (Oktober 1936)
- Article
- Nichtpolitisches Judentum - unpolitisches Judentum - politisiertes Judentum
- Date
- 1936-10-01
- Page
- 301 (sequence 1)
- Language
- German
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Ignaz Maybaum: Nichtpolitisches Judentum — unpolitisches Judentum — politisiertes Judentum Im modernen Judentum ist, je mehr wir uns der jüngsten Gegenwart nähern, von jüdischer Politik die Rede. Eine theoretische Klärung ist aber bei dem Gebrauch dieses Begriffs durchaus zu vermissen. Das Fehlen dieser Klärung ist gefährliche Naivität. Denn Politik ist Verwaltung der Macht. Daher kann es eine jüdische Politik in dem Sinne, wie es bei den Weltvölkern Politik gibt, nicht geben. Was es gibt und geben muß — im höchsten Maße geben muß — ist jüdische Planung. Das durch die Wanderungsnotwendigkeiten in Bewegung gekommene jüdische Volk bedarf dringend der Männer und der Ideen, durch die eine Konzentration aller Kräfte erreicht wird, Erfahrungen gesammelt und geprüft und die Ziele, die zu erreichen sind, fest umrissen werden. Aber wer Zukunftspläne entwirft und prüft, die organisatorische Arbeit, die zur Durchführung dieser Pläne getan werden muß, leistet, steht damit noch nicht in der Politik. Der Raum der Gesellschaft und der Raum der Politik sind verschieden. Die Gesellschaft wird gebildet von — geistig und glaubensmäßig differenzierten — Berufspersonen, ihre Welt ist mit Arbeit und Handel, mit Kultur und Religion ausgefüllt. Die Politik ist der Raum, in dem befohlen und gehorcht wird, in dem Gemeinschaft nicht durch Organisation, sondern durch Herrschaftsausübung entsteht. Die Politik ist die Lebensäußerung des Staates. Das jüdische Volk, das ein Volk ohne Staat ist und ein Volk ohne Staat bleiben wird, kennt keine jüdische Politik. Seine organisatorische Arbeit für die augenblicklichen und zukünftigen Notwendigkeiten seiner Gemeinschaft liegen in dem gesellschaftlichen und nicht in dem politischen Bereich. Wir haben daher folgerichtig von jüdischer Planung, nicht von jüdischer Politik zu reden. Die jüdische Planung, als deren erster moderner Vertreter Theodor Herzl anerkannt werden kann, auch wo seine nationalliberale Ideologie ihre Anziehungskraft verloren hat, hat diesen Unterschied von jeder Politik im Auge zu behalten. Wenn das Lob, das Herzl und Weizmann gezollt wird, — und wer würde sich im heutigen Judentum diesem Lob nicht anschließen! — formuliert wird, indem man sie als jüdische Politiker feiert, so darf die jüdische Situation in dieser Politik nicht übersehen werden. Wenn Herzl und Weizmann „Politik" machen, so steht 301