Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 12 (1936-1937)
- Issue
- Heft 7 (Oktober 1936)
- Article
- Über Grundsätze einer Jüdischen Politik
- Date
- 1936-10-01
- Page
- 295 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Über Grundsätze einer Jüdischen Politik sehen Geschichte oder die Theologie der jüdischen Politik den Zeiten überlassen müssen, in denen die religiöse Antwort nicht von den Ästheten, wie heute, sondern wieder von den Frommen gegeben werden wird. Bei einer so langen Vertagung der Antwort kann schon von einem theoretischen Verzicht auf sie gesprochen werden. Jedenfalls ist sie gegenwärtig nicht in der Lage, praktisch und theoretisch die Grundsätze der jüdischen Politik zu bestimmen. Wenn wir uns so von der „Ideologisierung" der jüdischen Politik abgrenzen, so tun wir das auch jeder anderen mystischen Endzielbestimmung gegenüber. Wir meinen damit die Versuche, das Ziel einer jüdischen Politik, ja des jüdischen Volkes überhaupt in Plänen zu sehen, die die Beherrschung der Welt zum Ziele haben und die Zerstörung der ordnungsliebenden Kräfte zur Methode. Die Behauptungen, es gäbe irgendwelche geheimen unterirdischen Bindungen, die das jüdische Volk in diesen Plänen unterstützen und deren es sich bediene, stimmen mit der Wirklichkeit nicht überein. Es gibt keinen solchen Plan, schon weil es überhaupt keine große planvolle jüdische Politik gibt. Gäbe es sie aber, so müßte sie völlig andere Gegenstände zur Grundlage und zum Ziel haben als die der Zerstörung. Nirgendwo in der Welt gibt es eine jüdische Politik als eine geheimnisvoll wirkende Kraft. Ein historischer Abriß wird uns in diesem Stadium unserer Betrachtung weiterhelfen. Was jüdische Politik in der Antike war, braucht hier nicht erörtert zu werden. Daß es von den Tagen des historischen Zuges aus Ägypten bis zur Zerstörung des Reiches so etwas wie eine Politik gegeben hat, eine gute oder eine schlechte, ist selbstverständlich. Alle Elemente einer solchen Politik waren da. Die Politik war gleichbedeutend mit dem Verhalten des Staates. Das Leben der jüdischen Antike, soweit es Staat, Volk und Land betraf und in die politischen Zusammenhänge des Vorderen Orients eingespannt war oder aber nach innen wirkte, war die jüdische Politik. Komplizierter und interessanter wird dieses Gebilde erst in dem Zustand, in dem sich die Juden seit fast zweitausend Jahren befinden, in der Galut. Überblickt man die politischen Versuche der Galut und fragt sich, was in ihrem Bereich de facto und de iure jüdische Politik war, so kommt man zu dem merkwürdigen Ergebnis, daß es zwar ein politisches Agieren von Juden gegeben hat, daß aber nirgendwo eine Vorstellung von dem, was eine jüdische Politik sein könnte, vorhanden war. In Wirklichkeit nämlich hatte sie nur zwei große Aufgabenkreise, die aus der Auffassung der jüdischen Geschichte als einer Geschichte der Katastrophen und aus der Definition der Galut als einer Zeit, in der diese Katastrophen einen legitimen Sinn haben, erwuchsen: Juristische Deutung der gegebenen rechtes