Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 12 (1936-1937)
- Issue
- Heft 6 (September 1936)
- Article
- Zu Dunin Borkowskis Spinoza-Denkmal [Rezension]
- Date
- 1936-09-01
- Page
- 277 (sequence 2)
- Language
- German
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David Baumgardt: Zu Dunin Borkowskis Spinoza-Denkmal literatur, auf die Spinoza gerade in seiner Werdezeit um 1607 gestoßen sein könnte. Das gibt ein sehr farbiges Gemälde der geistigen und untergeistigen Stimmungen des damaligen Holland, aber auch der umliegenden europäischen Staaten. Dabei werden natürlich auch Einzelheiten des Amsterdamer jüdischen Gemeindelebens ausführlich dargestellt — bis zu der schwankenden Schreibweise jüdischer Eigennamen. Das Aussehen der Aufenthaltsorte Spinozas in der Nähe der niederländischen Hauptstadt wird mit größler Akribie an Hand zeitgenössischer Zeichnungen ermiltelt. Und schließlich wird die Stellung des jungen Spinoza in dem Barockgeist der Zeit noch mit viel höherer Vorsicht als bisher zu bestimmen gesucht. Die Anschauungen jüdischer Gelehrter wie Roth und Wolfson, die in Spinozas Werk nur eine Zusammenfassung von Motiven der jüdischen Religionsphilosophie des Mittelalters sehen, wird mit Grund korrigiert und dabei in noch weiteren Zusammenhängen auf neue Aufgaben der Philosophiegeschichte überhaupt aufmerksam gemacht. Borkowski sucht hier aus der ersten Jugendschrift Spinozas, aus dem sogenannten „kurzen Traktat", die ursprünglichsten, noch nicht systematisierten Intuitionen Spinozas zu erschließen und spricht gerade ihnen überzeitliche Bedeutung zu; nach diesem Musler aber sollte seiner Meinung nach auch bei den-andern großen Denkern der Weltphilosophie verfahren werden, womit eine Fülle von neutralen und daher besonders wertvollen Urintentionen der Weltanschauung entdeckt werden könnte, — eine Methode, deren Fruchtbarkeit und Eindeutigkeit allerdings meiner Überzeugung nach hier sehr überschätzt wird. Und auch die inneren Gemeinsamkeiten zwischen politischem und geometrischem Denken bei Spinoza, die in ähnlichen Zusammenhängen zur Sprache kommen, wirken, wie mir scheint, nicht absolut überzeugend; ähnliches gilt sogar für viele der weitausholenden Analysen über Spinoza und die christlich-scholaslischcn Lehrbücher des 16. Jahrhunderts. Hier geben, wie ich glaube, ältere Abhandlungen von Freudenthal, Lewis Robinson und anderen vorläufig mehr synthetische Klärung als die vielfach im Unbestimmten verlaufenden Kombinationen Dunin Borkowskis. Aber all das enthebt gewiß keinen von uns der größten Dankbarkeit für die selten liebevolle, gelehrte Arbeit, die hier für einen Denker geleistet wird, dessen Gesamtanschauung sein Biograph nirgends teilt. So ist diese grandiose Monographie eines der schönsten Zeugnisse für eine Fähigkeit, die heute immer seltener wird: die geistige Kraft, eigene weltanschauliche Überzeugung mit selbstverständlicher Treue zu wahren und zugleich fremde Meinungen in deren eigenem Licht überhaupt sehen zu können und zu wollen. Das Augustheft enihieli u.a.: Autorität und Freiheit / Sport — jüdisch gesehen von Hans Keilson, P. Y. Mayer, H. M. Schwarz, Max Grünthal / M. Y. ben Gavriel, Palästina 1936 | Mala Laasen Der Hund Ossip (Novelle) \ Heinrich Kuhn, Zum Begabungs- und Eignunaspioblem der luden Im Okioberheft schreibt u. a.: Heinz Berggrün, Die Stadt (Novelle) 277