Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 12 (1936-1937)
- Issue
- Heft 6 (September 1936)
- Article
- Der Stein aus Garten Eden
- Date
- 1936-09-01
- Page
- 268 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Karl Escher: Der Stein aus Garten Eden wohnt und wie sein Herrscher heißt. Und sagen läßt König Alexander, daß ihr ihm Zins und Tribut zahlen sollt wie alle Länder der Erde, oder er wird euch zwingen mit der Schärfe seines Schwertes. Da erwiderte der Greis und sprach lächelnd: Drohet nicht Verweilet, bis ich zurückkomme. Er bedeckte das Fenster mit dem hölzernen Laden und schob den Riegel vor. Erst nach Verlauf zweier Stunden öffnete er wieder. In seiner Hand hielt er einen Edelstein, der war wie ein Menschenauge geformt und von wunderbarer Größe und Farbe, und Glanz und Strahlen gingen von ihm aus. Er reichte den Stein dem Sprecher unter den sieben Boten des Königs Alexander und sagte: Zum Gedächtnis schicken wir diesen Stein dem König, zur Erinnerung an seine Fahrt. Betrachten soll er ihn als freiwilliges Geschenk oder als unfreiwilligen Tribut — nach seinem Wunsch. Diese Worte sprecht zu dem König: Aus Liebe zu der Menschheit wird dir, König Alexander, dieser Stein gesandt. Lerne seine Eigenschaft kennen und die Art seiner Kraft; ablassen wirst du dann von allen Zielen, zu denen brennender Ehrgeiz dich treibt und unersättliche Begierde. Und ferner sprecht zu dem König: Mache dich auf und eile zurück, sonst kommt Sturm über dich, und im Schiffbruch wirst du umkommen, du mit all deinen Gefährten. Erreichst du aber, wohlbehalten dein Land, so danke für deine Errettung dem Gott der Götter, welcher war und ist und sein wird, und kein andrer Gott ist außer ihm. Der Greis schloß das Fenster, und die sieben Boten des Königs ruderten zum Schiff zurück, berichteten ihre Botschaft dem1 König und reichten ihm den Edelstein. Und der König kehrte umi und kam wieder in sein Lager und heim in seine Stadt Susa. Da ließ er die Weisesten im Lande rufen, damit sie ihm die Eigenschaft des Steines erklärten und die Art seiner Kraft. Doch die Weisen erkannten nicht die Eigenschaft und die Art der Kraft des Steines, der geformt war wie ein Menschenauge. Sie machten viel Worte, und jedes Wort war eine Lobpreisung des Königs. Der aber entließ sie mit reichen Geschenken und verbarg seine Enttäuschung vor ihren Augen. Zu der Zeit lebte ein frommer und gelehrter Mann in Susa, der hieß Rabbi Papas. Er war alt und ging in seinem Hause ,aa Stöcken, und auf der Straße ließ er sich auf einer Sänfte tragen, die trugen zwei seiner Diener. Der hörte von dem Wunsch des Königs und sprach zu seinen Dienern: Tragt mich hin zum König. Und der König ließ ihn in das Innere seines Palastes kommen und setzte ihn zu seiner Rechten, denn er hatte Ehrfurcht vor dem ergrauten Haupte. Und sagte das und das und fragte Rabbi Papas nach der Eigenschaft und nach der Art der Kraft des wunderbaren Steines. 268