Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 12 (1936-1937)
- Issue
- Heft 6 (September 1936)
- Article
- Der Stein aus Garten Eden
- Date
- 1936-09-01
- Page
- 267 (sequence 3)
- Language
- German
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Der Stein aus Garten Eden Die Uferbewohner antworteten dem König und sprachen: Der Fluß trägt sie auf seinen Wassern, von wannen er kommt, und das ist der Garten des Paradieses. Als der König zum zweiten Male vom Paradiese reden hörte, seufzte er laut auf und sprach zu seinen Feldh,auptleuten: Wohl ist die ganze Welt mir Untertan, doch was taugen mir alle meine Eroberungen, wenn ich nicht die Wonne des Paradieses erwerbe? Er wählte aus seinem Heer fünfhundert junge Krieger ohne Furcht, erprobt in allen Künsten des Kampfes, gab jedem Rüstung, Schwert und Schild und bestieg mit ihnen ein Schiff; das war wohlbesetzt mit Speisen aller Art für die Hinfahrt und für die Rückkehr. Und er fuhr mit seinen Kriegern den Fluß hinauf, und sie ruderten Tag um Tag. Am dreiunddreißigsten Tage erlahmten ihre Kräfte an der wuchtigen Strömung und ihre Ohren ertaubten im brüllenden Brausen der Wogen. Sie zogen die Ruder ein und sprachen zu dem König: Unsere Kräfte sind erlahmt und unsere Ohren sind ertaubt; laß uns umkehren, oder wir werden des Todes sein. Antwortete ihnen König Alexander und sprach: Ihr Lieben, harret aus, nur noch einen Tag. Am folgenden Tage — es war der vierunddreißigste Tag ihrer Fahrt — erblickten sie die weißen Dächer und die vergoldeten Kuppeln einer Stadt, die lag ausgebreitet am Ufer des Stromes Physon. Und als sie näher kamen, war die ganze Stadt von einer hohen Mauer umgeben, die hatte keine Türme zum Ausschauen und keine Wehren zum Schutz. Aber von unten bis oben war die Mauer mit einem grünen Pelz bewachsen, der war von Moos und bedeckte alle Steine und alle Fugen zwischen den Steinen. Drei Tage lang ruderten sie mit Ächzen und Stöhnen auf dem reißenden Strom, entlang und entlang der grünen Mauer. Am vierten Tag, in der Frühe, gewahrten sie ein langes schmales Fenster. Und Alexander erwählte sieben aus der Schar seiner Krieger und hieß sie ein Boot besteigen und hin zu dem Fenster rudern. Und so geschah es. Sie bestiegen das Boot und ruderten zu dem Fenster.; das war mit einem hölzernen Flügel bedeckt. Sie pochten an und warteten. Und nach kurzer Weile ward der Riegel zurückgeschoben und der hölzerne Flügel geöffnet. Ein greiser Mann zeigte sich ihnen und sprach zu ihnen und fragte sie voller Sanftmut: Wer seid ihr" und woher kommt ihr und was sucht ihr an diesem Ort? Und die Krieger antworteten und sprachen: Boten sind wir und kommen nicht von einem der vielen Könige, die da gebieten über ihr abgegrenztes Land und seine Bewohner; uns sendet der König der Könige, der herrschet über alle Gebiete und über alle Gebieter, der unbesiegte Alexander ist es, der Mazedonier. Wissen wrill der König, wie der Name dieses Landes ist und wer es be- 267