Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 12 (1936-1937)
- Issue
- Heft 5 (August 1936)
- Article
- Übersetzungsprobleme [Rezension]
- Date
- 1936-08-01
- Page
- 227 (sequence 4)
- Language
- German
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Ü bersetzungsprobleme Wirkung ist Buber — das zeigt auch wieder „Das Buch der Preisungen'" — absichtlich nicht aus dem Weg gegangen; aber er hat auch hinterher in steigendem Maße den Wert und die Notwendigkeit von Erklärungen eingesehen. Bubers Psalmenübersetzung bleibt auch für sich ein kostbares deutsches Sprachdenkmal, das wichtigste literarische Ereignis des abgelaufenen Jahrzehnts innerhalb des Judentums in unseren Grenzen. Unter den unübersteigbaren Gesetzen der hebräischen und deutschen Sprache die Macht der Trägheit, der Geläufigkeit, des Drüberweglesens zu überwinden, bleibt auch bei diesem biblischen Buch die Aufgabe; dazu das prägnante, einprägsame Wort zu wählen, das, wo es wiederkehrt, sogleich wiedererkannt wird, und dabei ein ungewohntes nicht zu scheuen, in diesem Bemühen ist sich Buber auch in dem i4. Teil seiner Schriftverdeutschung treu geblieben. Lasse, Du, mein Ende mich kennen, meiner Tage Maß, was es sei, kennen will ich, wie ich hinfällig bin. Spannenbreite, ach, gabst du meinen Tagen, meine Weile, vor dir ist sie wie nichts, allseits ein Dunst nur ist all der aufrechte Mensch. ... Nur als ein Schattenriß geht jedermann, nur Dunst ist, um was sie lärmen, man schüttet auf und kennt nicht, wer's heimst. Bubers Psalmen-Werk kann als einziger Band unter den bisher vierzehn Bänden seiner deutschen Bibel auch als Sprachkunstwerk für sich, ohne Kommentar bestehen, obwohl sich bekanntermaßen gerade hier die Übersetzungsschwierigkeiten wegen des unbefriedigenden Zustandes der überlieferten Texte steigern. Der hebräische Wortlaut und unsere synagogalen Melodien bleiben im Falle des Psalters schlechthin unersetzlich, so daß hier „Buber", die hebräischen „Tehillim" und ein guter Kommentar (etwa Gunkel, Kittel, Herkenne, Hans Schmidt), und zwar jede literarische Gattung für sich, ihren Eigenwert behält. In den „Psalmen" ist in der Tat der viel besprochene „Geist des Alten Testaments" unverfälscht eingefangen: es ist ganz gewiß der Geist der Demut, der Gottergebenheit und des Nichtwiderstrebens vor dem Übel und vor der Gewalt. Bei alledem keine Spur von „zerbrochener Knechtsseele"! Vielmehr ist dieser Geist nur demütig und gottergeben vor der überirdischen Macht, sonst weiß er mit unzweideutiger Präzision das übernützlich, also in der Gesinnung Gute vom Schlechten zu unterscheiden und das Böse mit ungebrochener Kraft bös und verabscheuenswert zu nennen und abzuweisen. Bubers „Buch der Preisungen" ruft die älteren jüdischen wissenschaftlichen Leistungen in der Erklärung dieses Bibelteils in Erinnerung: Barnes, Graetz, Ehrlich, S. R. Hirsch. Es gibt noch exegetische Fragen in Fülle, die bei den Psalmen der Lösung harren. Psalm 71, i5 übersetzt Buber: „Mein Mund wird deine Bewährung erzählen, all den Tag dein Befreierwerk, denn Abzahlungen kenne ich nicht." Der letzte Satz gibt die hebräischen Worte wieder: rrtnaa -risn; "3 227