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Der Morgen · 1936-08-01 · Heft 5 (August 1936) · p. 221

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Journal
Der Morgen
Volume
12 (1936-1937)
Issue
Heft 5 (August 1936)
Article
Zum Begabungs- und Eignungsproblem der Juden
Date
1936-08-01
Page
221 (sequence 5)
Language
German
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Zum Begabungs- und Eignungsproblem der Juden Gefühlsvermögens), Freud (Psychoanalyse), Adler (Individualpsychologie), Steinthal (Begründer der Völkerpsychologie), Münsterberg (Begründer der Psychotechnik), William Stern (Begründer der Differentialpsychologie), um nur einige wenige zu nennen und ganz zu schweigen von der großen Zahl der Psychiater, Neurologen usw. In engem Zusammenhang hiermit steht auch gewiß die Neigung und Eignung der Juden zum Arztberuf besonders durch die feine Sensorik (Druck-, Tast-, Temperaturempfindung), Motorik und Auditivität. Andererseits stellt die verminderte Visualität ein Hindernis für mancherlei Berufe dar, besonders auf handwerklichem Gebiet, z. B. Former, Friseur, Maurer u. a. m. Da sich aber, wie wir gesehen haben, dieser Mangel etwa von 18 Jahren ab wieder etwas ausgleicht, sich übrigens durch Funktionstraining bis zu einem gewissen Grade in manchen Fällen auch noch weiter verbessern läßt, so wird die Frage einer besonderen Berufspädagogik der jüdischen Jugend aus inneren Gründen akut. Andere handwerkliche Berufe wieder basieren auf Motorik und Sensorik (z. B. Rohrleger u. a. m.) und dürften daher für die jüdische Jugend anlagemäßig vorteilhafter sein. Wahrscheinlich hängt es auch mit dieser geringeren Visualität zusammen, daß der Anteil der Juden an den mehr beschreibenden Naturwissenschaften, die auf reiner Beobachtung beruhen, verhältnismäßig gering ist, während er auf dem Gebiet der Kunstwissenschaft größer ist, weil es sich hier um Einfühlung und motorisch-sensorische Verarbeitung des Geschauten handelt. Die besonders verminderte Visualität im Jugendalter hat auch noch eine andere Bedeutung; sie ist die Grundlage zum Theoretisch-Abstrakten, zum sogenannten unanschaulichen Denken. Und da sie in einem Alter, in dem die meisten Jugendlichen noch stark an das Anschauliche und Konkrete gebunden sind, auftritt und bei der jüdischen Jugend prozentual stärker als in späteren Jahren, so erklärt sich die oft weltfremde Neigung für Abstraktion, das Theoretisieren um letzte unwirkliche Probleme, das für jüdische Jugendkreise oft bezeichnend ist. Es ist eine geistige Haltung, die etwas Überaltertes an sich hat und fälschlich als Frühreife bezeichnet wird. Daß es sich hier bei meinen Untersuchungen nicht um zufällige Erscheinungen handeln kann, beweisen die zahlreichen Fälle, in denen ich dieselben Versuchspersonen innerhalb mehrerer Jahre wiederholt untersuchen und mit zunehmendem Alter und parallel wieder zunehmender Visualität eine deutlich feststellbare Abnahme dieser Neigung zum Abstrakten erkennen konnte. Die hochprozentige Auditivität in Verbindung mit der Motorik ist die psychophysische Grundlage der Sprachgewandtheit und des sprachlichen Schaffens der Juden. Dies ergab sich be- 221

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