Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 12 (1936-1937)
- Issue
- Heft 5 (August 1936)
- Article
- Zum Begabungs- und Eignungsproblem der Juden
- Date
- 1936-08-01
- Page
- 222 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
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Jakob Picard sonders bei den Versuchspersonen, die ein vorwiegend ästhetischstilistisches Interesse am Lesestoff hatten und ihre Lektüre nach diesen Gesichtspunkten auswählten. Die Intensität und Schnelligkeit, mit der die hebräische Sprache nach jahrhundertelanger Konservierung im religiösen Bereich wieder zur Verkehrs- und Umgangssprache erhoben worden ist, ist jedenfalls in diesem Zusammenhang bemerkenswert. Eine interessante Feststellung aber möchte ich hier noch wiedergeben. Die geminderte Visuaiität steht, jedenfalls was ihre Rolle in den höheren Funktionen betrifft (visuelles Gedächtnis, Vorstellung, Kombination usw.) nicht in durchgehender Abhängigkeit von der prozentual hohen Kurzsichtigkeit der Juden. Denn gerade bei stark Kurzsichtigen und Sehschwachen fand ich verhältnismäßig hochprozentige Visuaiität in den höheren geistigen Funktionen (Überkompensation?). Ob die psychische Struktur, die sich aus meinen experimentellen Untersuchungen ergab und die in Übereinstimmung stand mit der Lesestoffanalyse, erbanlagemäßig oder erworben ist, rassisch oder milieubedingt, konstant oder wandelbar, läßt sich einwandfrei noch nicht bestimmen. Das wird erst möglich sein, wenn diese Untersuchungen im Großen durchgeführt werden; dazu erforderlich wäre zunächst eine ausführliche Darstellung meiner Methoden. Immerhin aber sind schon jetzt die Ergebnisse beachtenswert genug, um zu weiteren Forschungen anzuregen. Für die Grundlegung einer neuen jüdischen Pädagogik und Lebensgestaltung können sie von Bedeutung sein. Jakob Picard: An den Mond Nimm deine bleichen Finger von meiner Stirne, Mond! Weißt du, was hinten tief in meinem Hirne wohnt, Und was willst du mit meinen Gedanken? Taste weiter an der Häuserwand, Wo gespenstisch Blätterranken Im ungefühlten Winde schwanken! Furchtbar bist du gebannt, Siehst in des Gehirnes Gängen Sich die Nachtgedanken drängen: Gedanken der ungestillten Lust, Von denen ich nie zuvor gewußt; Die dumpfe Angst, die Trauer Liegen auf der Lauer Und das vergebliche Bemühn, 222