Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 12 (1936-1937)
- Issue
- Heft 5 (August 1936)
- Article
- Zum Begabungs- und Eignungsproblem der Juden
- Date
- 1936-08-01
- Page
- 220 (sequence 4)
- Language
- German
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Heinrich Kuhn: in Prozenten unter Fortlassung der Fehlleistungen folgenden Durchschnitt der Funktionsanteile: visuell auditiv motorisch sensorisch 52,0 13,5 10,5 17,5 Die Erwachsenen ergaben: visuell auditiv motorisch sensorisch 55,0 12,7 15,0 14,0 Diese Zahlen weichen nur ganz gering vom Gesamtdurchschnitt aller untersuchten 848 Jugendlichen und 622 Erwachsenen ab, wobei sich allerdings der Durchschnitt aus erheblichen individuellen Schwankungen errechnet, während hier eine geschlossene ziemlich gleichmäßige Gruppe vorliegt. Man kann hier ohne weiteres von einer harmonischen, ausgeglichenen Sensualität sprechen, die das Bedürfnis und Interesse an psychologischer Lektüre als anlagemäßig bedingt erklärt im Sinne des oben erwähnten Organumsatzbedürfnisses. Die Ergebnisse weisen aber auf noch viel mehr hin. Vergleicht man nämlich die von mir gefundenen Zahlen der Jugendlichen mit den Lobsienschen Untersuchungen an Nichtjuden (Vorstellungstypus der Schulkinder, Langensalza 1911) 77,7 v 2,8 a 11,2 m 8,3 g (gemischt) und ferner der erwachsenen Juden mit ebensolchen Nichtjuden 64,5 v 7,6 a 12,0 m 11,5 s, so erkennt man zunächst als auffallend die Unterschiede in visuell und auditiv. Wir können also feststellen: 1. Die Visualität der Juden ist im Vergleich zu ihrer Umwelt gering. (Dies erkannte schon Dina Wolberg, Zur differentiellen Psychologie der Juden, Langensalza 1927). Sie ist es zugunsten der übrigen Funktionen, besonders der Auditivität. Dadurch besteht eine größere Harmonie, eine Neutralisierung aller Funktionen. 2. Die jüdische Jugend sinkt im Alter von 13 bis 18 Jahren erheblich in ihrer Visualität und gleicht sich später wieder mehr — wenn auch immer noch in erheblichem Abstand — ihrer Umwelt an. Ihre Entwicklung auf diesem Gebiet (und vielleicht nicht nur auf diesem Gebiet?) ist nicht gradlinig, denn die visuelle Komponente nimmt mit steigendem Alter normalerweise ab. Diese Ergebnisse sind weit über die ursprüngliche Absicht der Untersuchung hinaus interessant für die sachliche Erkenntnis vom Wesen und Wirken des Juden. Im engeren Rahmen zeigen sie, daß psychologisches Interesse anlagemäßig bedingt ist, und erklären so den großen Anteil der Juden am Fortschritt der Psychologie: Spinoza (psycho-physischer Parallelismus), Mendelssohn (Studien über ästhetisches Empfinden und Entdeckung des 220