Mannheim
Compact Memory

Der Morgen · 1936-08-01 · Heft 5 (August 1936) · p. 219

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
12 (1936-1937)
Issue
Heft 5 (August 1936)
Article
Zum Begabungs- und Eignungsproblem der Juden
Date
1936-08-01
Page
219 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2895450-2895552-2895558-2906299--09059-2906362
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Zum Begabungs- und Eignungsproblem der Juden Struktur ihr spezifisches Gepräge. So spricht man von visuellen, auditiven, motorischen, sensorischen Gedächtnis-, Lern- und Vorstellungstypen. Von den oben genannten 42 Jugendlichen waren 39, von den Erwachsenen 4 überdurchschnittliche Motoriker, d. h. die motorischen Funktionen hatten am Gesamtbestande der Funktionen einen Anteil von durchschnittlich 20 o/o gegen den normalen Durchschnitt von 11—13<y0, wie ihn Lobsien, Scheer und andere an hauptsächlich nichtjüdischen Versuchspersonen festgestellt haben. Das Erfassen und Verarbeiten der Außenwelt durch die motorische Komponente der Psyche ist mit einer starken Aktivität verbunden. Fast alle diese Jugendlichen erwiesen sich schon rein äußerlich durch ihre lebhaften Ausdrucksbewegungen und Gesten als Motoriker. Das organische Bedürfnis, diese Motorik und Aktivität auch beim Lesen umzusetzen, wurde also befriedigt in der Bewegtheit, Spannung und Aufregung der Lektüre. Diese Jugendlichen sagten z. B. auch aus: „Ich kämpfe selbst mit", oder „Ich bin ganz dabei beteiligt", auch „Ich denke immer, daß ich das alles selbst tue". Das Gelesene wurde auch, wie die Versuchspersonen sagten, im Spiel verwirklicht. Wenn diese Beziehung, Lesen als Organumsatzbedürfnis eines motorischen Faktors, richtig war, dann mußte sich ein Gleiches für kompliziertere Vorgänge nachweisen lassen. 7,6 o/o der Jugendlichen und 17,8o/0 der Erwachsenen gaben psychologisches Interesse an. Sie lesen Biographien, Charakterschilderungen, psychologische Romane oder auch psychologische Werke. Ihre bevorzugten Autoren sind: Wassermann, Stefan Zweig, Dostojewski, Tolstoi, Dickens u. a., ferner Adler, Freud, Jung, Kretschmer, Künkel. Das psychologische Interesse steht auch in Beziehung zum Beruf der Erwachsenen, von denen 16 Tätigkeiten ausübten, und zwar mit nachweisbarem Erfolg, für die psychologisches Verstehen und Einfühlen Voraussetzung ist: Ärzte, Juristen, Pädagogen, Jugendfürsorger, Wohlfahrtspfleger. Die wesentlichen Anlagen für psychologisches Verstehen sind Einfühlen, Nachempfinden, allgemeines Gedächtnis für alle Sinneseindrücke, Kombination, weites Aufmerksamkeitsfeld und Erfassen jedes Objektes mit allen Sinnen, Ausgeglichenheit und Kritikfähigkeit. Die Grundlage hierfür wiederum ist ein harmonischer Sinnestyp mit besonderer Betonung der sensorischen Komponente, da das gleichmäßige Arbeiten aller Sinne vorteilhafter ist als das Dominieren nur eines Sinnes. Leider kann ich hier auf Theorie und Darstellung der Untersuchungsmethoden, die ich in Anlehnung an Bernstein, Kraepelin, Scheer u. a. vornahm, nicht eingehen, sondern nur die Resultate mitteilen. Die Jugendlichen dieser psychologischen Interessentengruppe zeigten 219

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.