Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 12 (1936-1937)
- Issue
- Heft 5 (August 1936)
- Article
- Geschichtliches
- Date
- 1936-08-01
- Page
- 201 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Sport — jüdisch gesehen So erhalten auch die Leibesübungen bei der Seßhaftwerdung der jüdischem Stämme eine neue Bedeutung. Israel wird Volk. Der Kampf um das Land beginnt. Die Leibesübungen übernehmen somit die Funktion einer wehrhaften Ertüchtigung des jüdischen Volkes und behalten sie, solange das Judentum um seinen Bestand als Nation unter anderen Nationen zu kämpfen hat. Erst das verfallende Nationalgefühl kann auch den Leibesübungen wieder eine neue Bedeutung schaffen. Als der Hellenismus in Judäa in der seleucidisch-syrischen Epoche zum Durchbruch kommt, übernehmen auch die Leibesübungen jene Funktion, die sie in Hellas besaßen. Jasons hellenistische Bestrebungen finden in ihnen ihren Niederschlag. Auch Herodes schickte Sendboten nach Olympia, und seine Förderung der Spiele verschaffte ihm Aufnahme in den Kreis der Preisrichter. „... Und wollte man sagen, mit diesen Gaben habe er .(Herodes) jeweils nur eine einzelne Stadt erfreut, so ist das, was er den Bewohnern von Elis zugewendet hat, nicht nur ein Geschenk für ganz Hellas, sondern eines für die ganze bewohnte Erde gewesen, soweit der Ruf der Olympischen Spiele gedrungen ist: als er nämlich erfuhr, daß diese Einrichtung, der letzte erhaltene Rest des alten Hellas, wegen Mangels an Mitteln einzugehen drohte, da setzte er zunächst Siegespreise aus für diejenige Olympiade, in die seine Romreise fiel, und auf der er im übrigen auch Olympia besuchte. Dann aber errichtete er eine dauernde Stiftung zugunsten der Olympischen Spiele und hat damit sein Andenken als deren Neubegründer für alle Zeiten verewigt" (Flavius Josephus). Wie die Bibel das Abbild einer bestimmten Epoche jüdischer Geschichte darstellt, so wird zum Spiegel eines großen Teils des nachbiblischen Judentums der Talmud. Wer das Römerwort „Sit mens sana in corpore sano" in Parallele zu dem Spruch eines Talmudlehrers setzt: „Im gesunden und wohlgestalteten Menschen offenbart sich Gottes Allmacht", verkennt, daß in diesem Worte an die Stelle des Geistes schlechthin die Offenbarung Gottes im Menschen tritt. Hatten die Leibesübungen in der vorkanaanäischen Epoche mehr die Funktion einer allgemeinen Lebensertüchtigung übernommen, in der nationalen Epoche die einer wehrhaften Erziehung, so übernehmen sie im Mittelalter nur mehr die Aufgabe der Lebenssicherung. So heißt es in den Reponsen des Israel Bruna, daß das Reiten und der Besuch von Wettrennen unerlaubt sei, gestattet höchstens, um Fingerzeige für die Flucht zu gewinnen. Die allgemeine Leibfeindlichkeit der mittelalterlichen Kirche greift ins Ghetto hinüber, und nur auf dem medizinischhygienischen Weg vermögen manche Worte in sein Dunkel Eingang zu finden, aber auch hier unter dem Gesichtspunkt der Sicherung gegen Krankheit und Tod. So schreibt Maimonides zu 201