Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 12 (1936-1937)
- Issue
- Heft 5 (August 1936)
- Article
- Geschichtliches
- Date
- 1936-08-01
- Page
- 202 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Paul Yogi Mayer einer Zeit beginnender Ghettoisierung des Judentums: „Es soll überhaupt bei jeder Leibesübung mehr auf das seelische Vergnügen als auf die Intensität der körperlichen Anstrengung geachtet werden. Wer daher Übungen zur Erhaltung seiner Gesundheit betreibt wie Ballspiel, Ringen, Fechten, Frei- und Atemübungen, wird zwar in den Augen der Unvernünftigen nur Spielerei treiben, die Vernünftigen jedoch werden ihren Wert zu schätzen wissen"; oder: „Solange einer Leibesübungen betreibt, wird er nicht krank, sondern bleibt gesund und kräftig- Wer aber zu bequem ist und nicht fleißig Leibesübungen betreibt, der verfällt dauerndem Siechtum, und seine Kräfte schwinden". Aber nur zuweilen vermögen sich die Leibesübungen hie und da stärker durchzusetzen. Dort, wo die Leibesübungen enger mit dem Waffenhandwerk verbunden, ja geradezu ein Teil der Kriegskunst sind, da vermögen auch Juden zuweilen zu ihnen vorzustoßen, z. B. 1386 bei dem „Judenturnier zu Weißenfels" und 1460 mit der Teilnahme an in Augsburg ausgetragenen Wettkämpfen im Laufen, Steinstoßen, Hoch- und Weitsprung. Das ausgehende Mittelalter und der Beginn der Neuzeit ändern an der Ablehnung nichts, obwohl die Umwelt schon mit einer systematischen Pflege der körperlichen Erziehung beginnt. Als 1509 „Ott" Berufsringer wurde, konnte er nur als der „tauft Jud" Zugang zur Umwelt erhalten, wobei nicht feststeht, ob ihn die Forderung der Umwelt oder die Haltung des Judentums dazu zwang. Dieser „Ott, der tauft Jud" war aber der Vorläufer jener seltsamen Dynastie der Juden im Boxsport, die mit Lyons, Mendoza, Belasco in England im achtzehnten Jahrhundert begann und in Maxie Rosenbloom, Bernaj' Roß, Max Baer u. a. bis auf unsere Tage führt. Wie in den napoleonischen Kriegen die gleichberechtigten Juden in den Armeen ihrer Länder kämpften, so begannen sie auch bald in der nach Jahn in Deutschland entstandenen Turnerschaft ihre Ebenbürtigkeit zu beweisen. So sollen in den achtziger Jahren schon etwa 10000 Juden zur Deutschen Turnerschaft gezählt haben. Mit der so angebahnten Entwicklung erhielten die Leibesübungen wieder ihre Bestimmung im jüdischen Leben. Sie hatten die Funktion, an ihrer Stelle die Emanzipation mit zu erkämpfen, indem sie auf körperlichem Gebiete die Forderung nach Gleichberechtigung stützten und erhärteten. Ob nun bei den nationalen Meisterschaften der Länder, in Wimbledon oder bei den Olympischen Spielen, gleichviel: unzählige Juden haben dort mit ihrem Sieg versucht, den Beweis der Gleichwertigkeit in sportlicher Hinsicht zu erbringen. Der mit dem ausgehenden neunzehnten Jahrhundert entstehende Zionismus brachte eine neue Komponente in die jüdische Gemeinschaft und damit auch in den jüdischen Sport. Hatten bisher 202