Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 12 (1936-1937)
- Issue
- Heft 5 (August 1936)
- Article
- Sport und Nationalität
- Date
- 1936-08-01
- Page
- 198 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Hans Keilson Apparat des Daseins, gegen die „Organisation des Daseinsapparates", wie Jaspers es nennt, riefen den Sport hervor. Rousseau hat an seiner Wiege gestanden, Pestalozzi. Er ist ein Protest gegen die Technisierung, ein Protest allerdings in selbst immer mehr technisierter Form.. Und damit veranschaulicht er wie bald kein anderes Beispiel, was man die Tragik des modernen Menschen genannt hat, daß es ihm nur möglich ist, den Konflikt zwischen Ratio und Irratio für die Irratio zu lösen auf die Weise der Ratio. Der Sport wird von allen zivilisierten Völkern auf der Erde getrieben; er ist eng verflochten mit der europäischen Form der Zivilisation wie das Auto, die Eisenbahn, das Radio. Es läßt ihn aber nicht in eine Reihe mit diesen technischen Erscheinungen, setzen, daß er nicht von dem Menschen losgelöst gedacht werden kann. Er ist eng gebunden an den Menschen, an seine Körperlichkeit, die in ihrer Grundanlage zum Unterschied von der tierischen bei allen Menschen gleich ist. In der sportlichen Betätigung äußern sich die Grundformen menschlichen Bewegungsvermögens, Laufen, Springen, Gehen, Schwingen, Werfen, Schwimmen. Auch die Bäume können schwingen, wenn der Wind sie biegt, auch die Tiere können laufen, springen, schwimmen. Aber ihnen allen fehlt die bewußte Ausrichtung auf den Körper, die Bewegungsübung, geboren aus den Verhältnissen der menschlichen Existenz. Aber auch die psychischen Grundmomente, Freude an der Bewegung, am Spiel, am Kampf sind wie bei jedem Menschen, so auch bei jedem Volk als urmenschliche Triebe und Lüste an die Natur des Menschen gebunden. Daraus erhellt, daß wir im Sport eine Form der übernationalen Übereinkunft unter den Menschen besitzen. Wenn wir nun zu unserem Ausgangspunkt zurückkehren und unter jüdischem Sport den Sport verstehen, den jüdische Menschen betreiben, so müssen wir uns gleichzeitig fragen, mit welchem Recht der Sprachgebrauch die Begriffe jüdischer, finnischer, japanischer Sport anwendet. Es wäre vielleicht besser, man spräche von einer jüdischen Sportbewegung. Doch wenn wir einmal in dem zuvor definierten Satz die Betonung nicht auf den „Sport" legen, sondern auf die Menschen, die Sport treiben, so werden wir bald einige aufschlußreiche Feststellungen machen können. Nehmen wir ein Beispiel. Wenn auf der kommenden Olympiade die Japaner zufällig die Sieger im Weit-, Drei- und Stabhochsprung, im Schwimmen und überraschend in irgend noch einer Konkurrenz sein sollten, so wird es keinem Menschen einfallen, diese betreffenden Sportarten als japanischen Sport zu erklären, wenn auch aus dem Körperbau und der Beschaffenheit des Japaners auf eine besondere Begabung und Eignung für diese Sportarten geschlossen werden könnte. Aber wie steht es mit dem Jiu Jitsu, das ohne Zweifel eine echte, ursprüngliche japanische Leibesübung darstellt? Es gibt ein Ballspiel, das nur in Spanien gespielt wird, mit gleichzeitigem Vortrag alt- 198