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Der Morgen · 1936-08-01 · Heft 5 (August 1936) · p. 197

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Journal
Der Morgen
Volume
12 (1936-1937)
Issue
Heft 5 (August 1936)
Article
Sport und Nationalität
Date
1936-08-01
Page
197 (sequence 2)
Language
German
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Hans Keilson Sport — jüdisch gesehen sich aber dann einmal fern den Turnhallen und Sportplätzen fragt, ob denn das ein besonderer, nämlich jüdischer Sport sei, ob denn, von einer anderen Seite her gesehen, das Judentum im Sport so unmittelbar und tief sein Wesen offenbarte wie in seinen andern großen Schöpfungen, die das Beiwort jüdisch mit Recht tragen, so gerät man ehrlich in Verlegenheit. Dieser Frage gegenüber erscheint es sinnvoll, dem Fragenkomplex jüdische Dichtung', Jüdische Musik', jüdische Malerei' die Frage jüdischer Sport' anzugliedern. Um zu untersuchen, wie es in dieser Hinsicht mit dem Sport bestellt ist, der doch auf den ersten Blick nur als eine Angelegenheit der sichtbaren Gestalt und somit nur den äußeren Schichten der Persönlichkeit zugehörig erscheint, müssen wir einiges Grundsätzliche über den Sport voranschicken. Sport ist ein englisches Wort, aber es wäre falsch zu sagen, die Engländer hätten den Sport erfunden wie Turnvater Jahn das Turnen. Der Sport ist nicht erfunden worden, auch nicht von den Engländern, er ist entdeckt worden wie Amerika, und sicherlich auch von den Engländern, aber er bestand lange schon zuvor in Form der Leibesübungen bei den verschiedenen Völkern. Auch die Griechen haben die Leibesübungen nicht erfunden, wenn sie sie auch bewußt getrieben und zu der festen Form entwickelt haben, die der Nachwelt aus der Überlieferung ihres Lebens als Ursprung und Vorbild erscheint. In diesem Sinne haben die Leibesübungen der Griechen einen unverkennbaren Ausdruck griechischen Wesens getragen. Es ist nun nicht unsere Aufgabe, kulturhistorisch und ethnologisch den Beitrag der verschiedenen Völker zu den Leibesübungen zu untersuchen, noch etwa, die Ehre der Juden zu retten, indem wir, wie viele Bemühungen zu diesem Thema zuvor es zu unternehmen meinten, durch Aufzeichnung diesbezüglicher Bibel- und Talmudstellen beweisen, daß auch die alten Juden sich schon sportlich betätigten. Es ist keine Frage, daß alle einstigen Naturvölker auf dieser Stufe ihrer Entwicklung eine natürliche, z. T. auch unbewußte Form der Leibesübungen kannten. Ob dies Jagd, Kampf, Spiel war, ob es sich mit dem Kultischen als Tanz verband, immer ist es der Ausdruck eines bewegten Körpers, der von der Natur als Zeichen des Lebens die lebensvolle Spannung Ruhe— Bewegung eingepflanzt erhielt. Die kulturhistorische Betrachtung und Entwicklung der Leibesübungen führt uns deshalb nicht weiter, weil alles an Bewegungsablauf, Spiel, Kampf, was wir heute unter Sport zusammenfassen, eine Erscheinung der modernen Zeit ist. Nicht, wie man glauben mag, das Zeitalter der Renaissance in Europa ist es gewesen, das durch sein Streben nach klassischem Lebensstil auch den Sport neu geschaffen hat. Eine äußere Not, die zur Forderung wurde, der Protest des Menschen gegen den Primat des Berufs, der Arbeit, die die natürlich gebundenen Kräfte einengten, der Aufstand gegen den immer mächtiger werdenden 197

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