Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 12 (1936-1937)
- Issue
- Heft 5 (August 1936)
- Article
- Sport und Nationalität
- Date
- 1936-08-01
- Page
- 196 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Sport —judisch gesehen Es gibt zwei Quellen des Sports: eine natürliche und eine kulturelle. Die natürlidie besteht darin, daß ein Überschuß an Kraft dazu drängt, das als Spiel zu treiben, was als Fähigkeit das Leben im Ernst verlangt. So entwickeln arabische Ritterden SpielerischenWettkampf ihrerFantasia, so werfen germanische Jünglinge den Speer um die Wette ins Ziel oder in die Weite, so beweisen die Junglinge auf den Philippinen ihren Rang unter den Gleichaltrigen im Schwimmen oder Tauchen. Die kulturelle Wurzel des Sports führt auf politische odersozialeGründe: als Institution hat er eine sonst verwehrte Einigung zur Voraussetzung wie bei den Griechen, die außer ihren nationalen Spielen nichts gemeinsam Griechisches kannten, oder wie in der deutschen Turnerschaf t, die an einer politisch noch unmöglichen Zusammenfassung der Nation durchVorwegnahme auf „allgemein-menschlichem" Gebiet mitzuwirken strebte; und Sport als individuelle Leistung geht auf die heidnische Religion der Diesseitsverwirklichung zurück— bei den Griechen ist mit dem Tod das Wesen ausgelöscht — oder, wie im modernen Leben, auf die Ableitung eines vitalen Überschusses im Kampftrieb, für den sonst in übervölkerten Städten zu wenig Raum ist. Hält man diese Gesichtspunkte zusammen, so ist Sport innerhalb des jüdischen Lebens ein legitimes Mittel sozialer Erziehung und ein notwendiger Kräfteausgleich, doch nicht mehr: er formt den jüdischen Menschen, nicht den jüdischen Menschen. Sport und Nationalität Wenn man als aktiver jüdischer Sportler angesichts der Turnhallen und Sportplätze, auf denen jüdische Menschen. Sport treiben, gefragt wird, ob es jüdischen Sport gibt, so ist man geneigt, unbedenklich mit ja zu antworten. Es erscheint müßig, darüber eine Betrachtung anzustellen, findet sich doch der Begriff deutscher Sport, französischer und also auch jüdischer Sport im allgemeinen Sprachgebrauch und wird unbedenklich angewendet. Wenn man 196