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Der Morgen · 1936-07-01 · Heft 4 (Juli 1936) · p. 181

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Journal
Der Morgen
Volume
12 (1936-1937)
Issue
Heft 4 (Juli 1936)
Article
Die Messiasbraut
Date
1936-07-01
Page
181 (sequence 3)
Language
German
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Die Messiasbraut einen Sinn haben. Und da sie als Jüdin zurückgefunden hat, muß es um der Freiheit der Juden willen sein. Der Messias, der Erlöser wird kommen, und sie ist seine vorherbestimmte Braut! Das und nur das erzählt sie jetzt jedem, der es nur hören will. Bald darauf verläßt sie Amsterdam — sie muß dem Messias entgegen! Die Messiasbraut macht sich auf ihren Weg. Auf diesem Wege hat sie wohl selbst die Kunde von der Messiasbraut verbreitet. Denn schon nach wenigen Jahren spricht man von ihr unter den Juden in allen Ländern. Natürlich hört auch der „Messias" Sabbatai Zwi von dieser seiner Braut. Man sagt ihm, daß sie sich in Livorno befinde, und man sagt ihm auch, daß sie dort eigentlich nicht das Leben einer heiligen Braut führe. Man berichtet, daß sie von ihrer Schönheit reichlichen Gebrauch mache, aber trotzdem nicht heirate, weil sie als Gatten nur dem Messias angehören dürfe. Für Sabbatai Zwi war dieses ungewöhnliche Mädchen ein Mittel mehr, und sofort erklärte er, daß auch ihm schon der Traum ein polnisch-jüdisches Mädchen als seelenverwandte Gattin gezeigt habe. Dieses Opfer der Katastrophe von 1648, dem Jahre seines Auftretens, ist Verbindung und Sinnbild für den Erlöser Israels. Und ist nicht auch an den Propheten Hosea der Befehl ergangen, ein Dirnenweib zu heiraten? Es kommen Boten nach Livorno, um dem Messias die Braut heimzuführen. 1664, keine sechs Jahre nach jener Nacht auf dem Friedhof in Polen, landet Sara als Messiasbraut in Kairo. Hier wird im Hause des reichen Rafael Chelebi unter großem Prunk und Jubel die Hochzeit mit dem „Messias" Sabbatai Zwi gefeiert. Dieser selbst sieht sich durch sie in seiner messianischen Sendung bestätigt; ihre Schönheit, ihr romantisch-liederliches Wesen gewinnen ihm schnell viele neue Anhänger. Ganz Kairo begrüßt Sabbatai als den Messias. Die Feste und Feiern nehmen kein Ende. Sara weiß in ihrer genießerischen Art die Herzen an sich zu fesseln; das Treiben der Sabbatianer wird immer phantastischer, immer ungebundener. 1663 ist Sabbatai wieder in Jerusalem; auch dort gilt er als Messias. Nun sieht man auch in seiner Heimat Smyrna, als er dorthin zurückkehrt, den erwarteten und ersehnten Erlöser in ihm. Am Neujahrstage dieses Jahres ruft er sich offiziell aus. Hinter allem steht Sara und hinter ihr steht ihr Gefolge, die Anhängerschaft ihres Mannes. Sie lenkt und leitet das Auftreten, das Volk jubelt ihr zu. Zur gleichen Zeit, als Sabbatai von der Synagogenkanzel herab erklärt, daß er Jesus den Nazarener unter die Propheten einreihen wolle, leitet Sara allgemeine Liebesmahle, inszeniert die symbolische Hochzeit von siebenhundert minderjährigen Kindern und ihre eigene nochmalige Vermählung mit dem Messias. Während ihr Mann die Kronen dieser Welt an seine Getreuen verteilt, preist Sara ihn als Befreier der Frauen von der Unterdrückung 181

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