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Der Morgen · 1936-07-01 · Heft 4 (Juli 1936) · p. 182

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Journal
Der Morgen
Volume
12 (1936-1937)
Issue
Heft 4 (Juli 1936)
Article
Die Messiasbraut
Date
1936-07-01
Page
182 (sequence 4)
Language
German
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Hans Tramer: Die Messiasbraut durch das männliche Geschlecht Aber unter solchen Tollheiten rückt das für das Eintreten der Erlösunggeweissagte Jahr 1666 immer näher. Sabbatai muß sich zur entscheidenden Tat aufraffen. Die aber heißt, den Sultan, den Beherrscher des Heiligen Landes, zur Anerkennung des Messiaskönigs zu zwingen. Dazu steigt Sabbatai am 30. Dezember 1665 aufs Schiff und fährt nach Konstantinopel. Aber er landet nicht auf dem Thron des Sultans, sondern als Gefangener in der Festung Abydos auf Gallipoli. Dorthin folgt ihm Sara; durch große Geldgaben an die Gefängniswärter ist die Haft bald erleichtert, und der „leidende Messias" zieht einen Heerstrom von Anhängern zur Wallfahrt nach Abydos an. Ihnen ist das Gefängnis der „Turm der Macht", in dem die Messiaskönigin Sara mit allem Glanz regiert. Was an Feiern in Smyrna unterbrochen war, wird hier fortgesetzt, und ihr Plan, den nationalen Trauertag der Tempelzerstörung am 9. Aw, der auch der Geburtstag des Messias ist, in einen Freudentag umzugestalten, wird vom Messias zum Gesetz erhoben. Mehr als anderthalbtausend Jahre hatten sich an diesem Tage die Juden aller Länder in Sack und Asche gehüllt, hatten sich in tiefster Trauer zur Erde gesetzt und ihr Klagelied um den Fall Jerusalems angestimmt. Im Jahre 1666, dem „Heilsjahre"', hallte der 9. Aw wider vor schwärmerisch-jauchzenden, übermütig-ausgelassenen Feiern und Gelagen, ist es ein einziger unbändiger Freudentaumel. Worüber? Wofür? Für einen Schwindler und Scharlatan, der im Kerker sitzt? Für ein lüsternes Weib, das durch ihre Schönheit und durch liederliches Leben das Volk zu betören versteht? Für Wahngebilde und Sinnlosigkeiten? Für eine Erlösung, die immer nur gesprochen und nicht wirklich ist? Aber die Wirklichkeit spricht: unerwartet wird kurz nach diesem „Feste des 9. Aw" die Herrlichkeit auf Abydos unterbrochen. In Ketten bringt man Sabbatai nach Adrianopel. Er muß vor den Sultan. Am 16. September 1666 tritt aus dem Tor der großen Moschee zu Adrianopel der Muselman Mehmet Effendi, ein unbesorgter Mann, Beamter des Sultans mit ansehnlichem Einkommen. Seine schöne Frau Fauma Kadin — das hatte der mohammedanische Geistliche aus Sara gemacht — ist zwar keine Messiaskönigin mehr, tröstet sich aber mit den reichen und kostbaren Geschenken der Sultanin. Die Messiasherrlichkeit ist aus; ihrem Leben ist der Sinn genommen. Dem Messias war sie alle Wege gefolgt, der türkische Mehmet, der ehemalige Sabbatai, ist kein Messias mehr. Ein Traum war ausgeträumt, ein Leben hatte sich ausgelebt. Das Leben einer 24jährigen! Ein Frauenschicksal hatte sich in acht kurzen Jahren vollendet. Noch in diesem Jahre, in Adrianopel, schloß die Messiasbraut für immer ihre Augen. 182

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