Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 12 (1936-1937)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1936)
- Article
- Heines Fragment Der Rabbi von Bacherach
- Date
- 1936-07-01
- Page
- 173 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Heines Fragment „Der Rabbi von Bacherach" „seltsam An die Schlaf den Zeigefinger, An die Kehl' den Daumen drückend." Mit derselben Sorgsamkeit ging Heine bei der kleinmalenden Ausgestaltung des spätmittelalterlichen Stadtbildes von Frankfurt am Main zu Werke. Er benutzte hierzu die 1807 in zwei Bänden erschienene „Geschichte der Stadt Frankfurt a. M." von Anton Kirchner. Unter den Nachlaßpapieren des Dichters fand ich ein Blatt mit Exzerpten aus diesem Buch; darunter finden sich neben einem Verzeichnis der Bürgermeister für die Jahre 1484—1488 und mancherlei anderen Kleinigkeiten Notizen, die auf derselben Seite des „Rabbi von Bacherach" wiederkehren: da wird der Römer geschildert, da wird ein Turniersieg erwähnt, den Walter der Lump davongetragen, da wird das Banner des Hauses Limburg genau beschrieben, da wird schließlich sogar die Anwesenheit König Maximilians in Frankfurt hervorgehoben, dem zu Ehren man tags zuvor vor dem Römer ein großes Lanzenstechen veranstaltet hatte. Aus Heines Notiz über Maximilians Aufenthalt in Frankfurt geht ganz unzweideutig hervor, daß die Dichtung im Jahre 1489 spielend gedacht ist. Allerdings ist König Maximilian nicht zur Zeit des Pessachfestes in Frankfurt gewesen, sondern erst zum Albanstage, also 22. Juni — doch wer wird Heine diese künstlerische Freiheit verargen wollen? Von der Jahreszahl 1489 als Beginn der Handlung des „Rabbi von Bacherach" aus läßt sich nun unter Benutzung weiterer handschriftlicher Notizen Heines eine gewisse Vermutung über die ursprünglich gedachte Fortsetzung aussprechen. Auf der Rückseite des oben erwähnten Blattes mit Notizen über Abarbanel hat sich Heine folgende Lesefrüchte aus alten Quellenwerken über den italienischen Humanismus aufgezeichnet: Fabronii Historia academiae Pasanae, 2 Vol. / (1472 wurde Pisa von dem Florentinischen Senat aufs neue als Universität errichtet. / Dort kein Lehrstuhl fürs Griechische, weil dieser in Florenz sein sollte. Bühles Geschichte der Philosophie C. II. S. 120. Streitigkeiten der Platoniker (z. B. zu Florenz) / 1491 zu Padua lehrt Nicoletto / Pomponius Laetus, lehrt und stirbt zu Rom 1489 / Den Venetianern wird versagt, auf einer andren Universität als Padua zu studieren. Heeren II. S. 100 / Aldus Manutius kommt 14SS nach Venedig, lehrt Griechisch und Römisch (und errichtet 14S8 Druckerei. 1494 Cririk) / Heeren S. 249: —1486 lehrte zu Venedig Laurentius Valla / Poggius (Briefe) Op. p. 297. Beschreibung des Tones in den Bädern zu Baden / Christopherus Bandinus lehrte von 1457—97 in Florenz, Poetischer Geist / Sein Schüler dort Angelus Polizianus. Lebt in Florenz. Picus von Mirandola und Marsilius Ficinus. Dieser erklärt den Plato. Heines Notizen, mit dem Jahr 1489 als dem der Bacharacher Judenverfolgung zusammengehalten und mit der oben angeführten Tabelle über Abarbanels Lebensdaten verglichen, läßt, wie mir wenigstens scheint, mit ziemlicher Gewißheit erkennen, daß das von 173