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Der Morgen · 1936-07-01 · Heft 4 (Juli 1936) · p. 172

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
12 (1936-1937)
Issue
Heft 4 (Juli 1936)
Article
Heines Fragment Der Rabbi von Bacherach
Date
1936-07-01
Page
172 (sequence 5)
Language
German
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Erich Loewenthal wo von 1349 bis 1462 die Juden (in Frankfurt) gewohnt, ist so gewiß nicht zu sagen; die mehrsten, samt ihrer Synagoge, haben an den Gräben der alten Stadt sich niedergelassen, welcher aTlem Ansehen nach der Ort ist, wo jetzt die Judengasse mit der Synagoge steht / anno 1462 wird die Judengasse bezogen / Großer Brand, angezündet von einem feuerbeschwörenden Kabbalisten, dem Rabbiner. Baal Schern. / Feuerbeschwörung / Spottbild für getaufte Juden / Kleidung der Frankfurter Juden. Jetzige Kleidung. Juden tragen sich wie die Geistlichen in den Epistolae Obscurorum Virorum. / Wie die Juden geputzt des Samstags zur Synagoge gehen. / Schwarze Mäntel, rundes Gekröse und spitze Bärte / Formel beim Kodescherring / Schulklopfer / Kodeschhüpfen. Der Chassen legt die Daumen hinter die Ohren um besser zu schreien. / Anno 1287 ist es über die Juden am Rhein hergegangen, denn sie sind zu Wesel, Poppert, Bacherach teils getötet, teils heftig verfolgt worden wegen Ermordung eines Jünglings, Werner genannt. Diesem sind vier Kirchen am Rhein erbaut worden. — / Von der Wohnung der Frankfurter Juden / Schwert mit dem Mögen David drauf zur Kabbalistik. / Nur in Frankfurt sind die Juden keine Bürger, in andren Städten sind sie es immer gewesen (Schudt erwähnt Zürich und Braunschweig). Merkwürdige kleine Notiz. / Anno 1414 sind in Frankfurt nur 2 jüdische Hausgesäß (Familien) gewesen. Anno 1416 sind 104 jüdische Seelen. Anno 1439 nur 6 Familien. Anno 1536 58 Hausgesäß. / Juden haben sehr frühe Komödien gehabt. Wer Heines „Rabbi von Bacherach" nur flüchtig gelesen hat, wird sofort bemerken, wie diese Notizen von ihm benutzt wurden. Nicht nur die altertümliche Form des Stadtnamens „Bacherach", die Heine regelmäßig anwendet — seine ganze Schilderung des Frankfurter Ghettos und des Lebens der Juden in ihm stammt aus dieser Quelle. Man wird zugeben, daß Heine nicht übertrieben hat, als er am 25. Juni 1824 an seinen Freund Moses Moser geschrieben hat: „Über die Frankfurter Juden war mir der Schudt sehr nützlich; ich habe beide Quartbände ganz durchgelesen." Alle seine Aufzeichnungen galten der genauesten Information über das kulturgeschichtliche Milieu, und wie die oben mitgeteilte Aufzeichnung zeigt, ist sogar die Formel, die der Rabbi spricht, als er der schönen Sara einen goldnen Ring als Zeichen des Verlöbnisses an den Finger steckt: „Ich nehme dich hiermit zu meinem Weibe, nach den Gesetzen von Moses und Israel" mit nebensächlicher stilistischer Umformung aus dem Wälzer des Frankfurter christlichen Theologen geflossen, der sie so übersetzte: „Siehe, mit diesem Ring bist du mir anvertraut, nach dem Gebrauch Mosis und Israels." Interessant ist besonders, daß Heine die zu seiner Zeit in den deutschen Synagogen noch geübte Sitte des „Kodeschhüpfens" ebenso wie die Einrichtung des zur Andacht rufenden „Schulklopfers" nicht aus eigener Anschauung kannte, sondern ebenfalls erst aus Schudts „Jüdischen Merkwürdigkeiten", und sie sich daraus zurVerwendung für seine Erzählung vormerkte. Und nicht eigene Beobachtung, sondern die in der Jugend sorgsam notierte Notiz aus Schudt, die er später nach Paris mitnahm, ist die Quelle der Beschreibung des Vorsängers in der „Prinzessin Sabbat", wie er am Halse haspelt, 172

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