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Der Morgen · 1936-07-01 · Heft 4 (Juli 1936) · p. 171

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Journal
Der Morgen
Volume
12 (1936-1937)
Issue
Heft 4 (Juli 1936)
Article
Heines Fragment Der Rabbi von Bacherach
Date
1936-07-01
Page
171 (sequence 4)
Language
German
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Heines Fragment „Der Rabbi von Bacheradi' So nimmt denn für die Beurteilung des Verhältnisses des Dichters zum Judentum dies späte dritte Kapitel eine ganz besondere Stellung ein, und man tut gut, es für sich zu betrachten. Die ganze materialistische Weltanschauung des im Lebensgenüsse schwelgenden Pariser Heine vor der Erkrankung und der Rückkehr zu dem Glauben an den Gott seiner Väter, vor seiner „besseren Erleuchtung", beschränkt sich auf die Wertschätzung der jüdischen Küche. Nicht um zu beten, sondern um zu essen besucht Don Isaak Abarbanel — wie Heine — die Judengasse; ihre Küche iiebt er weit mehr als ihren Glauben, und nur „wohlschmeckende" Jugenderinnerungen ziehen ihn zuweilen zu den früheren Glaubensgenossen. Es ist der gleiche Zynismus, der Heine in dem gleichzeitig geschriebenen Buch „Über Börne" sagen läßt: „Es ist nur der Schalet, der sie zusammenhält in ihrem alten Bunde", mit dem er Börne die Worte in den Mund legt: „daß die Abtrünnigen, welche zum neuen Bunde übergegangen sind, nur den Schalet zu riechen brauchen, um ein gewisses Heimweh nach der Synagoge zu empfinden, daß der Schalet sozusagen der Kuhreigen der Juden sei". Und es muß auch einmal darauf hingewiesen werden, was meistens übersehen wird, daß Heines Verherrlichung der „Prinzessin Sabbat" weder der religiösen noch der sozialen Idee des Sabbats gilt; wieder ist es die „Himmelspeise" des Schalet, in deren Genuß ihm der Höhepunkt des Sabbat liegt, der erst den „Prinzen" verklärt. Als Heine den Plan zum „Rabbi" faßte, als er dessen erste Kapitel ausarbeitete, lagen ihm derartige Gedankengänge fern. Das zeigen nicht nur die zwei ersten Kapitel; das verraten noch viel deutlicher Aufzeichnungen des Dichters, die er sich bei seinen gründlichen Vorarbeiten für die Novelle gemacht hatte und die ein glücklicher Zufall, oder besser der Wille dessen, der sie niederschrieb, vor der Vernichtung bewahrt hat. Außer dem erwähnten Blatt haben sich nämlich noch ein paar Seiten mit den Materialien gefunden, die Heine bei seinem Quellenstudium gesammelt hatte; sie sind vor zwei Jahrzehnten von Friedrich Hirth (in der Zeitschrift für Bücherfreunde) veröffentlicht, aber von der Forschung, auch von der jüdischen, ganz übersehen worden. Ihre genaue Betrachtung läßt erkennen, wie wenig Heine vom Judentum wirklich wußte, als er den „Rabbi" schrieb, wie ihm nur ein winziger Bruchteil der geschilderten jüdischen Bräuche und Zustände bekannt war, wie er sich vielmehr — abgesehen von der brieflichen und mündlichen Auskunfterteilung durch gut unterrichtete jüdische Freunde — weitgehend auf wissenschaftliche Werke christlicher Gelehrter stützte, die er, die Feder in der Hand, Seite für Seite durcharbeitete. Da hat sich z.B. Heine aus dem berühmten mehrbändigen Werke von Johann Jakob Schudt „Jüdische Merkwürdigkeiten" (1714—1717) in flüchtigster Schrift, mit vielen Abkürzungen, aber genauen Band- und Seitenzahlen folgende Notizen gemacht: 171

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