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Der Morgen · 1936-07-01 · Heft 4 (Juli 1936) · p. 152

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Journal
Der Morgen
Volume
12 (1936-1937)
Issue
Heft 4 (Juli 1936)
Article
Juden und Disziplin
Date
1936-07-01
Page
152 (sequence 7)
Language
German
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Hans Keilson: Juden und Disziplin neu zu erleben, ließen sie diese Tradition in ihren eigenen Kreis einströmen. Die ersten jüdischen Jugendbünde gründeten auf ihr, je mehr Menschen sich zusammenfanden, desto tiefer wurde sie verankert Diese Erziehungsarbeit der Juden an sich selbst liegt bewahrt in den Verbänden, die im Anschluß an den Weltkrieg entstanden sind, sie findet einen jüdisch aktiven Ausdruck in der Zionistischen Organisation. Die Aufgabe der letzten Jahre, in Verbänden und Gemeinden praktische reale Arbeit zu leisten, ist keine Arbeit, die mit dem guten jüdischen Herzen früherer Wohltätigkeitsverbände allein geleistet werden konnte, sondern Arbeit zur Organisation der eigenen Lebensumstände, entstammend dem Wesensbereich staatlicher Tätigkeit. Je größer die Not, je näher die Gefährdung, um so entschlossener muß der Wille und die Organisation der Disziplin sein. Die Juden in Deutschland haben zu beweisen, daß, wenn auch unter den schwersten Bedingungen, in den gleichen Raum des Lebens und der Bewährung gestellt wie die übrigen Völker, die allerorts gültige und Gemeinschaft ermöglichende Tradition der Disziplin auch bei ihnen zu dem Element ihrer Geistes-, ihrer gesamten Lebenshaltung geworden ist, das Krisen überstehen läßt. Sie haben es ohne Frage schon zu einem guten Teil gezeigt}. Der Beweis dafür ist die neue jüdische Schule. Der Spottruf der „Judenschule" vergangener Zeiten mit seinen Ober- und Nebentönen ist bekannt. Wir müssen sagen, daß er auch heute noch nachklingt in den Ohren vieler jüdischer Eltern, während die nichtjüdische Öffentlichkeit bereits umgelernt hat und die an der Schule unmittelbar beteiligten Kreise der Lehrerschaft und der Verwaltung diesen Begriff durch Bewährung in praktischer Arbeit korrigiert und gewendet haben. Er klingt nach in einem Mangel an Vertrauen oder in einer nicht genügenden Stützung des einmal gewährten Vertrauens, das als Grundlage unersetzlich ist. Fast müßig, es auszusprechen, daß das Aussehen der jüdischen Schule wie das jeder anderen Schule auf der Erde ist, die Kinder zur jüdischen Schule als Institution ,Schule' nicht anders stehen als anderswo Kinder, und man muß davor warnen, Auflehnungen und Disziplinvergehen, die immer sein werden, solange es eine Schule gibt und Lehrer auch geärgert werden müssen, unter einem jüdischen anstatt unter einem schulischen Aspekt zu sehen. Es war oben die Rede davon, ob das jüdische Schicksal eine Organisation und Überlieferung der Disziplin schaffen könne. Wenn der jüdischen Schule und auch der Gemeinschaft der Juden eine Gefahr droht, die zur Lockerung der schulischen Disziplin und der Organisation des Zusammenlebens führt, so ist es in erster Hinsicht vom jüdischen Schicksal her möglich: diese Gemeinsamkeit des jüdischen Schicksals, das ja Kinder wie Erwachsene betrifft, Lehrer wie Schüler, schafft ein zu vertrauliches, familienähnliches 152

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