Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 12 (1936-1937)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1936)
- Article
- Juden und Disziplin
- Date
- 1936-07-01
- Page
- 153 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Hans Bach: Zur Frage Disziplin Verhältnis und kann durch Überspringen des natürlichen Distanzgefühls ein wahres menschliches Verhältnis und fruchtbare praktische Arbeit gefährden. Wir wissen, daß wir hierin noch viel zu vollbringen haben. In erster Hinsicht denken wir an unsere Jugend, deren Erziehung uns anvertraut ist. Wir sollten uns aller Einrichtungen, die uns zur Verfügung stehen, zur Aufrechterhaltung und Pflege der organisierten Disziplin bedienen: der Schulen, der Sportvereine, der Jugendbünde. Sie alle müssen sich vor und bei ihrer Arbeit überlegen, wie sie diese Forderung so erfüllen können, daß sie die jetzt Erzogenen später selbst wieder neu erheben können, sie müssen sich überlegen, welche Stelle in der Erziehungsarbeit sie vertreten müssen. Wenn wir deshalb die Juden wieder und wieder zur Disziplin aufrufen, so bedarf es im Grunde solchen Aufrufs nicht. Es bedarf vielmehr des Hinweises auf diese schon erworbene Eigenschaft, ihr zu vertrauen und dieses Vertrauen auf den Grund der neu gefügten Gemeinschaft zu legen, daß es nie verloren gehe. Hans Bach: Zur Frage Disziplin Hans Keilsons Aufsatz spricht mit Recht von der Unsicherheit über Art und Grad der Disziplin, die als Forderung an die Judenheit in Deutschland wie an jedes ihrer Glieder zu richten ist; denn an der grundsätzlichen Berechtigung dieser Forderung zweifelt niemand. Um so wichtiger ist es jedoch, in der Erörterung dieser Frage auf besondere Deutlichkeit und Schärfe der Begriffe zu achten, damit nicht aus dem Versuch einer Klärung neue Mißverständnisse entspringen. Ergäbe sich Disziplin, wie Keilson meint, aus einem „ordnenden Prinzip" der Natur, sogar auch nur der menschlichen, so könnte es über ihr Wesen so wenig Unsicherheit (und so wenig genaues Wissen) geben wie etwa über das des Hungers. Aber sie ist kein höherer Ausgleich zwischen Instinkt und Intellekt, wie ihn jeder geistig und natürlich lebensfähige Mensch besitzt, noch weniger ein Trieb ursprünglicher Natur — sonst gäbe und brauchte es keine Erziehung dazu. Disziplin ist nämlich überhaupt kein Phänomen der Natur, sondern der menschlichen Kultur; genauer gesagt des gesellschaftlich gebundenen Willens. Doch wir wollen nicht weiter um Begriffe streiten, wo es auf eine gute und gemeinsame Sache ankommt. Das Wesen der Sache aber ist am einfachsten zu klären, wenn man Disziplin 153