Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 12 (1936-1937)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1936)
- Article
- Juden und Disziplin
- Date
- 1936-07-01
- Page
- 149 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Juden und Disziplin sönlicher Tendenzen, kurz durch Einordnung und hat als unerläßliche Voraussetzung das Vertrauen und die Leistung. Dieser Vorgang der autoritär gebundenen Vereinigung zahlreicher Einzelwesen zu großen Menschenmassen ist in den beiden Organisationen Kirche und Heer ursprunglich gelungen und jahrhundertelang erprobt. Er ist mit der Zeit zu einem festen Erziehungsmittel geworden, zu einer lebenformenden Macht, die immer wieder neu einzusetzen war. Alle übrigen neben diesen beiden Reformen der Organisation entstandenen Gebilde, wie etwa das Beamtentum, lassen sich in ihrer Struktur auf sie zurückführen. Vornehmlich der militärische Verband, das Heer, ist seit der Trennung von Kirche und Staat zu einer Bedeutung gewachsen, die aus dem Satz ,das Heer ist die Schule des Volkes* am besten erhellt. Es könnte nun die Frage aufgeworfen werden, ob dieser Begriff der Disziplin an sich einen absoluten Wert darstellt, ob er, von innen heraus geformt, aus der menschlichen Natur erwachsen oder nur von außen herangetragen sei und sich somit als rein formaler Wert ausweise. In engem Zusammenhang damit steht die Frage, die kritische Einwendung, ob die Anwendung des aus den Beispielen Kirche und Heer entwickelten Disziplinbegriffs auf die jüdische Gruppe zulässig und möglich sei, oder ob nicht auch hier eine jener — recht und schlecht — sogenannten Assimilationserscheinungen im Denken vorliege. Ohne Zweifel haben die verschiedenen Völker, Engländer, Deutsche, Franzosen usw., eine Disziplin entwickelt, die gefärbt ist mit der Eigenart und Besonderheit eines jeden Volkstemperaments. Eine von ihnen als absoluten Wert für eine nach Geschichte und Temperament anders geartete Gemeinschaft wie etwa die Juden hinzustellen, wäre allerdings unsinnig und gefährlich. Wenn man aber von den so verschiedenfarbig gezeigten Disziplinformen die völkisch bedingten Merkmale abzieht, bleibt ein Absolutes übrig: eine Grundform der Disziplin nämlich, die aus dem natürlichen Spannungsverhältnis Ordnung—Unordnung, Gesetzlichkeit—Ungesetzlichkeit hervorgeht, das in jedem Menschen begründet liegt, und das als Grundstreben jeder menschlichen Haltung wiederum in dem natürlichen Spannungsverhältnis Individuum—Gemeinschaft immer wieder neu gewonnen wird, wie jeder echte, tief lagernde Wert, durch Selbstüberwindung und Selbstaufgabe. Wir müssen nun die Frage stellen, ob die Gruppenbildung der Juden in der voremanzipatorischen Zeit die Ausbildung einer solchen Disziplin betrieb, und ob der jüdische Mensch, als Typ gesehen, ein solcher Gruppenmensch ist. Wie wir schon erwähnten, beruhten alle Gruppenbildungen der Juden gemäß ihrer Lebensform auf der Institution der Synagoge. Schon in der Synagoge wird durch das Gesetz eine Gruppenbildung von zehn Mann zur Aus- 149