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Der Morgen · 1936-06-01 · Heft 3 (Juni 1936) · p. 126

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
12 (1936-1937)
Issue
Heft 3 (Juni 1936)
Article
Hollekreisch
Date
1936-06-01
Page
126 (sequence 1)
Language
German
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Max Grunwald: Hollekreisch Mit „Hollekreisch" oder „Haulegrasch" bezeichnet man den bei den Juden Süddeutschlands, Hollands und des Elsaß heimischen Brauch, dem Neugeborenen, in der Regel den Mädchen, daheim den profanen Namen zu geben, während den rituellen die Knaben bei der Aufnahme in den Abrahamsbund, die Mädchen beim ersten Synagogenbesuch der Wöchnerin erhalten. Diesen profanen Namen bezeichnete man einst als „Wiegennamen" (schem ha-arisa). Er wurde nämlich und wird noch heute in einigen Gemeinden Südfrankreichs dem Kinde erteilt, wenn es — auch dies nach dem ersten Ausgang der Wöchnerin — mit einer gewissen Zeremonie von der Patin: in die Wiege gelegt wird. Dieser sonst außer Übung gekommene Brauch wird in den genannten Gegenden mit folgendem Zusatz noch heute beobachtet: Kinder aus dem Bekanntenkreise heben die Wiege oder das Bettchen mit dem Kleinen in die Höhe und rufen: „Hollekreisch, wie soll das Kindchen (oder Boppele, d.i. Püppctien) heißen?" Hierauf wird dem Kinde der Name gegeben und die Gästeschar bewirtet. Wir sehen hier von anderen Einzelheiten der Feier ab und fragen nur nach dem Ursprung dieses Zusatzes, von dem der ganze Brauch den Namen „Hollekreisch" erhalten hat In dem Aufheben der Wiege klingt die römische und germanische Rechtshandlung nach, das Neugeborene durch Aufheben vom Boden in den väterlichen Schutz aufzunehmen. Beschenken bei der Namengebung war gleichfalls germanische Sitte. Deutsch ist auch die Bezeichnung „Hollekreisch", aus der die französischen Juden ein „ä haut la creche" gemacht haben. Sie entspricht dem englischen „to cry the mare", dem „Holrarufen", auch dem „Zetergeschrei" und bedeutet das „Verschreien" einer den Neugeborenen gefährlichen Unholdin, als die man richtig „Frau Holle" erkannt hat. Frau Holle war ursprünglich die „Holde", aus deren Brunnen die kleinen Kinder kommen. So heißt sie in Thüringen, Hessen, Franken, im Egerlande. In einem Teil von Tirol wird sie „Hulda", hier und da auch „Holda" oder „Holke" genannt, während sie in Oberdeutschland und Österreich als Berchta, Perchtl, Bertha, „die weiße Frau" bekannt ist. Ihr Aufenthalt im Brunnen fährte dazu, ihr auch einen Zug beizulegender den Wassergeistern eigen 126

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