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Der Morgen · 1936-04-01 · Heft 1 (April 1936) · p. 40

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
12 (1936-1937)
Issue
Heft 1 (April 1936)
Article
Presseschau: Die Macht des Glaubens
Date
1936-04-01
Page
40 (sequence 2)
Language
German
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kehrten Irrglauben heraufgeführt hat." Das modernistische Stichwort der liberalen protestantischen Theologie vor dem Kriege war „innerweltliche Askese"; es bedeutet die Umwandlung der Jenseitsreligion in eine Diesseitsmoral. Nach dem Kriege erfolgte ein entschlossener Umschlag, ausgehend von einem kleinen, aber geistig entscheidenden Kreise: die völlige Verwerfung der innerweltlichen Gerechtigkeit und die ausschließliche Anerkennung der Rechtfertigung durch die Gnade allein. Mit dem neu empfundenen Emst der jenseitigen Wirklichkeit ist die Wandlung der liturgischen Frömmigkeit verbunden; die sichtbare Kirche wird wieder als die Wirkungsstätte des heiligen Geistes empfunden, innerhalb deren dem schlichtesten Gemeindeglied sowohl die Gebetsgemeinschaft als die Gemeinschaft zu Gott ohne theologische Spekulationen zur erlebten Wirklichkeit wird. Es ist ein bedeutsames Symptom, daß die Psalmen und alten Kirchengebete in ihrer überzeitlichen Gültigkeit dem Laien wieder lebendig werden. Die dieser Frömmigkeit entsprechende Theologie vermag man vorläufig nur im Sinne einer Aufgabe aufzuzeigen. Den Ausgangspunkt nennt der Verfasser „die Frömmigkeit der Entscheidungen", ein Wort, das mit der Theologie der Krise und mit dem Namen Sören Kierkegaards verbunden ist. Man versteht diese Theologie am besten aus dem Willen, Korrektiv zu sein. Sie bringt in gewollter Einseitigkeit die unbedingte Majestas Domini einer Zeit wieder zum Bewußtsein, die Gott zu einem bloßen Geistes- und Gemütsprodukt des Menschen machen möchte. Dem Stichwort von der innerweltlichen Askese antwortet die klare Entscheidung zwischen Christus und „dieser Welt". Diese Entscheidung aberführt zuder „Begegnungder Konfessionen" und zu einer Steigerung der Zusammengehörigkeit der echten Jenseitsreligionen; der innere Grund liegt in der schon eingangs erwähnten Tatsache, daß der Irrglaube an die Allmacht der Wissenschaft und andere diesseitige Lebensmächte dem echten Glauben nicht mehr den ihm gebührenden Platz wegnehmen kann. Die religiöse Wende der Gegenwart erweist so den Glauben als herrschende Macht der Geschichte. Setzt man in diesem Satz an Stelle von „Glauben" einen etwas weniger theologischen Begriff, etwa den weltlichpolitischen des Enthusiasmus, so spricht er das Resultat einer Überlegung aus, die, von ganz anderen Voraussetzungen ausgehend, zu gewissen Vergleichen anregt. Es handelt sich um den Aufsatz von Wilhelm Stapel, eine Auseinandersetzung mit dem Werk des Soziologen Marr: „Die Massenwelt im Kampf um ihre Form" („Masse und Technik", Deutsches Volkstum, Märzheft 1936). Stapel Charakterisierthier Wesen, politische Bedeutung und Gliederung der Masse; er untersucht deren geschichtliche Rolle in der Zeit der Demokratie und stellt die Erscheinungen Integrationspartei und Bürokratie als die Auswirkungen der Massenwelt auf den demokratischen Staat fest. Für seine biologische Betrachtungsweise bedeuten diese Erscheinungen Verkrustung und Verstockung des Lebens. Eine durchbrechende Gegenkraft sieht er nicht im gemeinschaftlichen noch im ge- 40

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